Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 6 (Juni 1846)
- Date
- 1846-06-01
- Page
- Seite 213 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Dle Prluciptrn des Talmuds i« Bezug auf Refarmea in, Zudeuthume ic. 213 das praktische Leben gewirkt, beweist die Geschichte Israels. So lange die Rabbiner des Talmuds auf das religiöse Leben ihren Einfluß übten, war dasselbe kein stillstehender Sumpf, der Töd und Verpestung ausdünstete, auch kein reißender Strom, der Verheerung und Verderben anrichtete, sondern es war ein wohlthatiges, sanft hinströmendes Bächlein, das auf dem hohen Berge der Offenbarung entsprungen und genährt von den immer frischen Thautropfen einer innner wohlthätig wirkenden Atmosphäre, zum großen Ocean der Seligkeit hineikte; aber mit der Veränderung dieser Atmosphäre wurde es mannigfach in seinem Laufe gehemmt und gerieth endlich in eine gänzliche Stagnation. Seit dem sogenannten iiÄnn rsrm ist ein Stillstand in das wohlberechnete und wohlthuende, Wirken der-Rabbiner des Talmuds eingetreten, der sich durch beinahe zwölf hundert Jahre durchzog und so zuerst eine Gleichgültigkeit und einen Widerwillen gegen das heilige Institut und dann endlich die nun herrschenden Revolutionen in den Gesinnungen der Israeliten erzeugte. Doch die Erklärung und Würdigung dieser Erscheinung wollen, wie, als hierher nicht gehörend, uns für einen anderen Artikel aufbewahren *). *) Dieser gediegene und lehrreiche Aufsatz liefert ein Resultat, mit dem wohl jeder den Talmud tiefer Auffassende sich einverstanden erklären muß: daß nämlich im Talmud selbst ein Princip der Fortbildursg und Entwickelung liege. Ob aber diese Fortbildung ihren eigentlichen Ausgangspunkt in der Speculation vder in der Praxis — der Rücksicht auf Zeitumstande und Erhaltung —- oder in beiden zugleich habe, dürfte unseres Erachtens noch weiter ein. großes Feld der Forschung und Besprechung bieten. Der Herr Verfasser neigt sich zu der Ansicht hin, daß die Fortbildung das praktische Moment zur Grundlage habe. Kann auch diesem nicht gänzlich ein Einfluß abgesprochen werden, so zeigt sich doch nicht minder, daß noch eine andere Potenz miteingewirkt. Der Talmud (hier im weitern Sinne, auch die Mischna mitbegriffen) hebt auch in manche mos. Vorschrift ihrem Wortsinne nach ganz auf, wo keine Praxis drängte, und wo selbst nicht anzunehmen ist, daß eine in früherer Zeit geltende Praxis hierzu die Veranlassung war. So wenig man sich bei den einseitigen, eine ungemäße Tendenz anstrebenden Resultaten Geig er's beruhigen kann, so wenig kann die Forschungsweise des Talmuds aus der Praxis allein gerechtfertigt, werden, da die Forschung weit über dieselbe hinausgehet und das Zeichen der Selbstständigkeit ganz deutlich an sich trägt. M. Sachs hat in seinem Werke „die religiöse Poesie der Juden in-Spanien" manche« zwar trefflichen, aber nicht genug erschöpfenden Versuch gemacht, über die talmu, dische Forschungsweise Anschluß zu geben, und dürste auch bei ihm das spekulative Moment zu wenig Berücksichtigung gefunden haben. — Daß manche Beweisstellen des obigen Aussatzes nicht ganz schlagend sind, dürfte vielleicht der Herr Verfasser selbst einräumen, sowie eine Erklärung der Mischna aus Edujot noch immer manches erhebliche Bedenken zurückläßt. Rach unserm Dafürhalten weiset sowohl die daselbst vorhergehende als nachfolgende Mischna deutlich