Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 6 (Juni 1846)
- Date
- 1846-06-01
- Page
- Seite 212 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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KW Die Principieu des Talurudi» Bezug auf Reformen im Zudenthume rc. Weise ihre Erledigung finden, als durch die Annahme, daß nachher, als jene theoretischen Untersuchungen einen breitern Boden sich verschafft hatten, auch die früheren feststehenden Normen und auch das in der Praxis als gültig Anerkannte züm Gegenstände der Discusston gemacht wurde. Man consultirte darüber auf's Neue und indem man nach den oben erwähnten Principien manches auch allgemein Gültige, wegen der Veränderung der Umstände, oder, indem man sich für ein m»m Vna 73a» hielt, anders umgestalten zu dürfen glaubte, so suchte man auch die dasselbe modificirende oder gar aufhcbende Meinung geltend zu machen; und dieß konnte nur vermöge der von uns begründeten Auffassung dieser Principien geschehen. Nach dieser kurzen Andeutung nun liegt die fortschreitende Thätigkeit der alten Rabbinen klar vor unseren Augen und wer sie der Starrheit anklagt, bekundet.entweder eine unverzeihliche Unbekanntschaft mit ihren Lehren und ihrem Wirken oder eine verachtungswürdige Böswilligkeit. Rach den Principien, die ihrer Thatigkeit zu Grunde lagen, mußte diese wohl eine stabile Form haben; denn eS mußte Alles auf das göttliche Gesetz wieder zurückgeführt und in demselben wieder gefunden werden, aber diese Stabilität ist, wie schon mehrere Gelehrte unserer Zeit bemerkten') und wie wir hier deutlich nachgewiesen haben, nur scheinbar und ohne ihr Wirken wäre erst in das religiöse Leben jener starre Tod, jene Verknöcherung eingetreten, wie sie unter dem Sadducäismus einstens geherrscht und wie wir sie heute noch bei den Karaiten finden. Indem sie uns die Buchstaben der Schrift sorgfältig bewahrt und unverfälscht überliefert, warteten und pflegten sie den Geist derselben durch die mündliche Lehre, die sie von Geschlecht zu Geschlecht trugen. So erhielt man das lebendige Wort Gottes zu allen Zeiten lebenskräftig und wirksam, und dadurch, daß kein Jota aus dem Leben schwinden, für die Gegenwart todt erscheinen durfte — wenn es nicht selbst seine Gültigkeit ausdrücklich nur auf gewisse Zeiten und gewisse Orte beschränkte —• blieben die erhabenen religiösen und sittlichen Lehren derselben in immer heiligem und hohem Ansehen, und dem durch äußere und innere Veränderung erzeugten allzufreien, zli rasche): Reformen geneigten Sinne stets die lebendigenSchranken und Marken vorgezeichnet. Daß sie nun bei dieser Cutwickelung die richtige Mitte getroffen, glauben wir in unserer Untersuchung deutlich dargestellt zu haben/und daß sie in ihrer Zeit und nach ihren Umständen heilsam auf I) Wir brauche» nur auf die treffliche«, ganz im Wesen des Midrasch begründeten Worte des Herrn Dr. Sachs (die religiöse Poesie der Jude» in Spanien S. 149 ff.) hinzuweisen.