Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 6 (Juni 1846)
- Date
- 1846-06-01
- Page
- Seite 205 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Prtnciplen des Talmuds in Bezug auf Reformen im Zudenthurne rc. 20^ chen wird, mit Verschweigung des Namens ihres Urhebers, was schon daraus zu ersehen, weil oft in den Mischnajot eine andere dieser allgemein schlechtweg hingestellten Satzung entgegengesetzte Satzung -nn arono oder diese Satzung selbst, als ein Gegenstand der Controverse a'nai vnv vorkommt.!). 1) Bum besseren Verstandniß des Gesagten sehen wir uns genöthigt, hier tn der Kürze einige Andeutungen von unserer Ansicht über den Zweck und die Anordnung des N. Iehuda Hanasi bei der Abfassung der Mischna zu geben, deren ausführlichere Begründung wir uns auf ein anderes Mal Vorbehalten. Wir rheilen nämlich nicht jene gewöhnliche Ansicht, daß die Mischna „ein Eompenbuttn" sein sollte, in welchem das ganze jüdische Gesetz nach seiner damaligen Ausbildung in seinen Resultaten Platz finde, wie sie Geiger in oben erwähnter Zeitschrift ausgenommen, denn als ein Compendium aller damals vorhandenen jüd.ischen Gesetze ist sie viel zu comvendiös, und muß sie unvollkommen und lückenhaft erscheinen, wie sie Geiger findet. Auch hielt sie die Gemara nicht für ein solches, denn sonst hatte sie R. Iehuda Hanasi gewiß Succa 20a. nicht aus der Zahl der Restauratoren des Gesetzes, die sie dort angibt, ausgeschlossen. Auch wollte R. Iehuda Hanasi keineswegs bloß Resultate für die Praxis aufstellen, da so Vieles ausgenommen ist, was keine» unmittelbaren Einfluß auf die PrariS hat. Aber R. Zehuda Hanasi wollte nur die bestrittenen oder als bestritten geglaubten oder wenigstens nicht allgemein bekannten Satzungen in gedrängter Kürze zusammenstellen, um in das Chaos der verschiedenartigen Meinungen und Gegensätze, die damals in der jüdischen Casuistik herrschten und sich durch den Einfluß widriger Zeiten weit ansbreiteten und dem heiligen Gesetze und der Einheit des Volkes Gefahr droheten, Ord- ~ nung zu bringen und es zu beschränken, weil er nach dem Ansehen und den Verhältnissen, in welchen er stand, eS zu thun vermochte. Diese Ansicht ist in Raschi Baba Mezia 33b. ron wn hi deutlich ausgesprochen, unv scheint nach allen Beziehungen im Talmud auf diesen Gegenstand die wichtigste zu sein. Zu diesem Behufe sammelte er alle jene verschiedenartigen und entgegengesetzten Meinungen, reduckrte sie auf die möglichst geringe Anzahl von Gesetzen, und wo er entschiedene Mehrheit vor sich hatte und ihrer gewiß war, oder wo eine Meinung wegen unrichtiger Anwendung der Znterpretationsregeln nicht anerkannt wurde, wie Cholin 85a., da stellte er die Meinung der Majorität oder die als gültig anerkannte als tTvssnx, der Minorität und der ungültigen Meinung gegenüber. Wo er aber keine Gewißheit von einer Gegenmeinung, aber auch keine Gewißheit von. der absoluten Anerkennung einer vorliegenden Entscheidung hatte, oder wo er nur glaubte, daß diese die Stimmenmehrheit habe (indem ihm wohl eine entgegengesetzte Meinung, aber keine Majorität dagegen bekannt war, von deren Nichtvorhandeusein er aber doch keine Gewißheit-hatte), oder wo er nach seiner Einsicht eine Meinung der andern gegenüber für gültig hielt, da stellte er sie im ersten Falle als vnv schlechtweg ohne einen Gegensatz und Ln den Letzten zwei Fällen als vnv mit der entgegengesetzten Meinung hin. Was ihm aber als Synodalbeschluß durch Abstimmung bekannt war, stellte er unter dem Ausdruck Trott trci oder vroa troao oder Troa auf, doch erwähnt er nur jenes SyuodalbeschluffeS, der noch nicht in der Praxis ausgenommen und allgemein bekannt war, die bereits Ln der Praxis ls-