Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 6 (Juni 1846)
- Date
- 1846-06-01
- Page
- Seite 203 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Ausruf zu einer Versammlung jüdischer Theologen. 283 Men seiner verbessernden Schritte mißbilligt, dort der Rabbiner zu langsam der Gemeinde fortschreitet und als Finsterling verschrien wird; hier ein Rabbiner aus bescheidenem Zweifel gegen sich selbst nichts zu unternehmen wagt, dort ein anderer in thörichter Selbstüberschätzung mit Sturmschritten eilt und sich seiner Gemeindeund dem Judenthum entfremdet. Zerklüftung in sich, Jfolirtheit nach allen Seiten , jede Gemeinde von der andern abgerissen, jede ihren eigenen Weg verfolgend, ist das Bild, das sich dem Blicke in die Zukunft zeigt. Liegt schon an sich in Unthätigkeit kein Segen und erwirbt das Zusehen selten Vertrauen zu der vorhandenen geistigen Kraft, so ziehet das Fernstehen bei diesen das Judenthum wahrhaft bedrohenden Gestaltungen eine große Verantwortlichkeit herbei.' Es stellt sich daher die Forderung als unabweisbar heraus, daß Männer, die vom Glauben erglühet sind, zusammentreten und sich über die Religionsangelegenheiten besprechen. .Und so ergehet denn hiermit der Aufruf zu einer Versammlung jüdischer Theologen, die nicht allein der Wunsch des llnterzeichneten ist, sondern, wie er es mit Gewißheit aussprechen kan», von der großen Mehrheit in Deutschland ersehnt wird. Eine Versammlung jüdischer Theologen. Das historische Judenthum, in dessen Geist der Aufruf ergehet, verkündet, daß Amt und Stelle nicht Bevorrechtigung geben, sondern diese allein sich in der Wissenschaft findet, Ist es nun natürlich, daß Rabbiner und Prediger, als mit der Wissenschaft und den Bedürfnissen ihrer Gemeinden vertrauet, zu solcher Besprechung an sich berufen sind, so kann auch die Thcilnahme anderer Theologen, Männer, die bei allgemeiner wissenschaftlicher Bildung dem Studium des Judcnthums obliegen, nur erwünscht sein, da dem aufrichtigen Streben jede Hierarchie und Alleinherrschaft fremd ist. Und so mögen denn viele gleichgesinnte Männer, die Erhaltung und Fortbildung wollen, die in einem gemäßigten Fortschritt Erhaltung erblicken, sich zu einer Zusammenkunft vereinigen. Ein solches Zusanunrntreten hat auch die wohlthätigsten Folgen für^ eine gegenseitige Annäherung - es wird ersprießlich sein der religiösen Erziehung und -Belehrung, wird manche Besprechung im Interesse der Wissenschaft des Judenthums und deren Wiederbelebung fördern, wird endlich das Vertrauen der Gesammtheit stärken und ihr eine Vertretung ihrer geheiligten religiösen Interessen zeigen, die mit Mäßigung beginnt und fortschreitet, deren Resultate nicht auf Umsturz und auf Aufsehen Erregendes Hinzielen, sondern die erhalten und mit religiösem Ernst, fern von Starrheit wie von verwerflichem Leichtsinn auftreten will. Wohl wird sie hinter den Wünschen der Forteilenden und sich Ueberstürzenden zu- " 16*