Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 6 (Juni 1846)
- Date
- 1846-06-01
- Page
- Seite 202 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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202 Aufruf z» einer Versammlung jüdischer Theologen. aufzuheben und zu vernichten, verbirgt. Der religiöse Ernst, der Geheiligtes, Unantastbares anerkennt, der nicht mit der Gegenwart beginnen und sie zur Schöpferin eines Religionsbekenntnisses machen will, sondern für den es eine Vergangenheit gibt, deren Geheiligtes er in sich aufnimmt, ist die alleinige feste Unterlage für Erhaltung und Fortbildung. Das Judenthum hatseine unauslöschliche, unvertilgkare Religionsgeschichte; durch seine Blatter ziehet sich ein göttlicher Geist, für Göttliches wurde gerungen und geopfert, und es wurde erhalten. Nur der sträflichste Leichtsinn kann über diesen Geist wegsehen, das ganze heilige Leben der Vergangenheit mißachten und es in oberflächlichem Deuteln und Nachgeben als nie dagewesen ansehen. Auf historischem Boden muß entwickelt werden: ist nicht Vernichtung, sondern Erhaltung des Glaubens das Ziel, so dürfen seine in der Vergangenheit tiefgesenften Grundpfeiler nicht zerstört werden, sondern, bilden sie die Stützen des weitern Fortbaues. Es haben in den zwei letzten Jahren Rabbinerversammlmrgen stattgefunden, in denen das Positive auf bedauerliche Weise zurückgedrängt wurde und die für Erhaltung des JudenthuMs keinesfalls befriedigeilde Resultate lieferten. Ihre Beschlüsse fanden auch nirgends Eingang; denn noch lebt in unseren Gemeinden ein fester Sinn für das historische, von den Vätern übergebene Judenthum; Noch tönen die Anklage der frühem Erziehung fort, fühle» wir, welches hohe Gut wir zu wahren haben, welcher heilige Beruf uns aufeklegt ist; und daß, wollen wir die Zeit überdauern, wir nicht auf ihre Eingebungen und die Work der ihrer Herrschaft sklavisch Huldigenden hören dürfen. Aber dieser Sinn soll nicht erkalten: es muß dahin gestrebt werden, daß unseren Gentcindcn die Aufgabe des Judenthums, auch in den geistigen Stürme» sich treu zu bewähren, stets gegenwärtig sei und der historische Boden unter uns nicht wanke. Hier genügt aber nicht das vereinzelte Thun, noch ist auSreicl)end der Kampf in Wort und Schrift: es muß mit vereinten Kräften gewirkt werden. Finden auch die Gemeinden nicht an jenen Bestrebungen Gefallen, so vermissen sie doch ungemeinen Anhalt, an den sie sich lehnen, einen Mittelpunkt, von dem aus Auskunft komme. Die Behauptung, daß „von Kopf bis Fuß Alles krank sei" ist eine Verkennung des gegenwärtigen Zustandes, da doch im Gegrnthkile sich allgemeine Regsainkeit für das Religiöse kundgibt; aber man gewahrt Nichtsdestoweniger von allen Sekten Zerwürfuiß. Es zeigen sich in den Gemeinden Parteien, deren eine oft den zur Zerstörung führenden Fortschritt will> die andere auch die billige, Erhaltung erzielende Weiterbildung zurückweist; zeigt sich das Mißverhältniß, daß hier die Gemeinde dem Rabbiner mißtrauet und