Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 6 (Juni 1846)
- Date
- 1846-06-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Aufruf ju einer Versammlung jüdischer Theologen. Der Glaube mahnt in unseren Tagen mit doppeltem Rufe: er will Erhaltung und Fortbildung. Die Gegenwart, die mit zerstörenden zersetzenden Elementen überschwängert ist, in der innere und äußere Verhältnisse den Glauben zu unterwühlen und aufzulösen drohen, zeigt das dringende Bedürfniß der Erhaltung, legt die hohe Verpflichtung auf, das Heiligthum zu wahren und zu schirmen, daß es uns nicht abhanden komme, der Glaube nicht verseichtigt und verwässert, das uns göttlich Uebergebene nicht als ein jedem Zeitwechsel unterworfenes Institut dargestellt rmd durch den llmschwung des Verkehres und der gesellschaftlichen Beziehungen zurückgedrangt werde. Doch wenn Alles zur Erhaltung auffordert und der Denkende in stch die Ueberzeugung trägt, daß man auf Abhülfe bedacht fein müsse, so sagt auch diese Ueberzeugung, daß in der Fortbildung selbst ein Erhalten liege. Nicht nur, weil das Leben-drängt— sein Verlangen wird nie ganz befriedigt werden können und ist doch gerade dieses das Ziel des Glaubens, das Leben zu stch zu erheben und dem Göttlichen den Sieg über äußere Hindernisse zu verschaffen —, sondern weil auch die erweiterten Begriffe und die vorgerückte Bildung Manches, das an stch unwesentlich ist, zurückweiset, weil der Glaube auch unseren Kindern und späteren Nachkommen erhalten werden soll, weil endlich in der Veredelung selbst eine Erhöhung des Glaubens liegt. — Die Vermittelung der Erhaltung und Fortbildung, dieser scheinbar sich widersprechende und doch nur ein Einziges, Unzertrennbares bildende Begriff ist die Aufgabe, die unsere Zeit zu lösen hat. Daß auf und durch das Gegebene fortgebauet werden müsse und die Vermittelung nur auf diesem Wege erstrebt werden kann, begreift jeder vom väterlichen Glauben wahrhaft Durchdrungene; das Positive, muß die Grundlage bilden, über die hinaus nicht gegangen werden kann: das Positive in seiner eigentlichen wahrhaften Bedeutung, das nicht als ein Scheinbild hingestellt wird, mit dem man nach Belieben spielt und hinter ihm die eigentliche Absicht, cS Frankel, Zeitschrift «I. , ,