Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 4 (April 1846)
- Date
- 1846-04-01
- Page
- Seite 155 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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155 Zur Wissenschaft des Judenthums. daß Kalir von Collyris, Kuchen, dem syrischen ri-ilip abzuleiten sei. Er versetzt ihn nach Babylonien, dem Sitz der Gaonen und nimmt Sippara, in der Nahe von Nehardea daselbst gelegen, als die Vaterstadt Kalir's an. Wir wollen zuvörderst die von Rappopo.rt etwas naher uns zu prüfen erlauben. Kalir für einen Italiener zu halten, ist eben weiter kein Grund, als die Aehnlichkeit des Namens. Was hat der Name zu N. Elasar für Beziehungen? Er nennt sich R. Elasar, Sohn des R. Kalir. Also heißt Kalir sein Vater. Nach der Aussage des R. Samuel (Herausgebers des Buches Juchasin von R. Abraham Sacuto ed. Amsterd. p. 23a.) hatte in einem Gebetstücke des Akrostich R. Elasar biribi Jacobi hakalir gestanden; wenn diese Notiz wahr ist, dann ist Kalir Zu- oder Stammname, wenn nicht, Eigenname des Vaters. Ist Kalir das Letztere, so ist die Erklärung durch Cagliari durchaus unstatthaft, denn als Vorname wird man zu jener Zeit ebensowenig als zu unserer Stadtnamen gebraucht haben (ek. das Verzeichniß jüdischer Namen der Zeit bei Zunz' Namen der Juden p. 37 ff.). Ist es das Erstere, so ist die Bezeichnung .des Mannes merkwürdig, wenn er sich stets Elasar, Sohn des Kalir und nicht Sohn des Jacob Kalir nennt, etwas, was wahrscheinlich Herrn Fuld bewogen hat, in» dem Worte eine Abkürzung zu vermuthen, wobei das Jud Jacob bezeichnete. Es ist wenigstens gewiß erst spat Sitte geworden, auf diese Weise seinen Stammnamen anzugeben und selten ohne Vatersnamen, und doch auffallend, daß der Dichter bei so vielen akrostichischen Versuchen nicht einmal oder so selten seines Vaters Namen Jacob verstochten hat *). Wenn Rappoport dieß aus Pietät unterlassen sein laßt, so muß dagegen bemerkt werden, daß die spateren Dichter die Pietät ganz außer Acht gelassen haben, obschon sie sonst sklavische Nachahmer Elasar's sind. Kirjat-Sefer soll lauten Kirjat-Sfar; Kalir soll hiermit die Stadt bezeichnet haben. Aber 1) was hat Elasar bezwecken wollen, als er den Ortsnamen einflocht, nichts als anzugeben, woher er, der Dichter, sei; und nun wird er einen Beinamen dieses Ortes geben! 2) Wie wird er auf einer Insel, die so viele Häfen hat, von einer Stadt sagen „Hafenstadt"? Das wird doch eingestanden werden, daß, wenn von irgend einer Stadt Sardiniens an der Küste die Rede war, dasselbe gesagt werden könnte. Zugegeben aber endlich, Kalir bedeute Cagliari, muß deßhalb Elasar in Cagliari geboren, in Cagliari Einwohner gewesen sein? Offenbar muß sein Vater schon so geheißen haben; wenn es Stammname gewesen ist, so mag ihn auch dieser schon überkommen haben; der Enkel kann doch deßhalb in aller Welt gelebt haben. Wohne ich denn in Cassel, weil ich so heiße. Ferner, angenommen, er hieße von der Stadt, wie ich also oder wie die Leute (namentlich unter Juden,noch heute) Glogauer, .Berliner rc. heißen oder wie sich die Bachurim, die jüdischen-Talmudstudirenden auf ihren Jeschibot (Akademien), oder die Handwerksburschen nach ihrem Vaterlande und Vaterstadt nennen; empfangt man denn diesen Namen im Vaterlaude? In Spanien, auf dem Festland Italien, in Asien konnte Jemand R. Elasar oder 1) Auf die Zahlenberechnungen, in denen der Name des Verfassers versteckt liegen soll, hat Zunz schon mit Recht verzichtet. Sachs halt sie wenigstens für möglich. Doch ist es unwahrscheinlich, daß der Dichter, der so selten seinen vollständigen Namen verflocht, das in Zahlenwerth aus die angemessenste Weise hatte thun sollen. Hier ist die Beweisführung von R. Eljakim ben Jehuda im Rabia (Ofen 1837.) p. 17 ff. richtig gewesen. 12 *