Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 4 (April 1846)
- Date
- 1846-04-01
- Page
- Seite 154 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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154 Zur Wissenschaft des Judenthums. bald tiefer; hatte ihn Zunz (nach Rappoport) um das Jahr 970 endlich zu bestimmen geglaubt, hat ihn Lnzatto in neuester Zeit wieder weiter zurückgedrängt; wenn ihn R. Saadia (892 — 942) citirt, wie Landauer*) angibt, so ist diese Reaction nothwendig. Namentlich ist es Rappoport 1 2), der einen unendlichen Fleiß und Scharfsinn auf die Erforschung des Mannes und wie es scheint doch vergeblich verwendet hat. Er verwirft die alte Meinung, daß Kirjath-Sefer das alte Debir in Palästina sei, nimmt Kalir für einen von der Stadt Cagliari in Sardinien entlehnten Beinamen und verwandelt das -Sv n^p in eine -Lv, was alsdann Hafenstadt hieße und so wiederum auf Cagliari hindeutete. Diese Meinung, deren Lineamente schon Landau früherhin gegeben, Hat den meisten Auklang gesunden. Zunz hat sie angenommen 3 4 5) und somit war eine italienische Festliteratur in's Leben getreten; Delitzsch *) stellt sie der spanischen gegenüber, wie etwas aus der Gewißheit der Geschichte Gewonnenes, und die Erhabenheit der Kalirischen Poesie findet er sogar schön, in den gigantischen Nuranasfelsen von Sardinien wieder „Zeugen einer grauen Vorzeit starren sie empor, unbewegbare, vielkantige, thurmartige Felsenstücke, unregelmäßig, aber doch künstlerisch in einander gefugt, ohne Mörtel und Kalk, wie von riesiger Hand gehauen, daß sie in einander greifen, räthselhaft in ihket Bedeutung." Auch Sachs hat sie in eben diesem Buche, wiewohl schon zweifelnd, angenommen; auch er halt Italien für das wahrscheinliche Vaterland der Piutim (p. 180 ff. 205). Und treffender als viele Andere war sie gewiß. Luzatto hat die Meinung, es Ware Kirjath - Sefer die Bergstadt Bocherville in Frankreich oder Speier in Deutschland (man müsse dann -SM Sperr lesen) und Kalir von Cöln benannt, schon wieder zurückgenommen; Reggio übersetzte Civita di Penna, Fuld in Frankfurt a. M. dachte an Libius oder Pergamus *). In der That kömmt in dem Rechtsgutachten des R. Jsaac b. Scheschet 171. (cf. Rappoport Kalir) für Cagliari vor. Die Juden hatten in Cagliari schon zu Gregor des Großen Zeit eine Synagoge (cf. Matthaeus Sardinia sacra p. 47.), erst im Jahre 1492 wurden aus Cagliari und Algheri (1102 erbaut) die Juden vertrieben (cf. Gazana storia della Sardegna II. p. 151.) und daß Cagliari, Calaris oder Caralis, im gewöhnlichen Ausdrucke Caller hieß, ist bekannt (cf. Clu- ^rer introd. ad geogr. lib. 3. cap. 43.). In neuester Zeit hat Luzatto 6) die alte Meinung wieder ausgenommen, 1) cf. israelit. Annalen 1841. Note 9. p. 70. cf. Dukes zur Kenntniß der neuh. rel. Poesie p. 7. Schorr im Orient, Literaturblatt 1845. Note 43. p. 679. N. 2. 2) Liccure baitim (1829.) p. 95 ff. Nachträge p. 12 ff. 3) Gottesdienstliche Vorträge p. 382 ff. 4) Zur Geschichte der jüdischen Poesie p. 51. „ 5) Cf. israelit. Annalen 1841. N. 37. p. 295. (Anzeige v. K—ch.) Auch an andere Dinge, an Namen wie Keller re. hat man gedacht. Daß man an den Caiarius (Du Cange 1. 712.) qui facit Culas, den Glaser, noch nicht gedacht, ist fast zu verwundern. Hier hat die Hypothese den weitesten Spielraum. 6) Orient, Literaturblatt 1845. N. 43. Die ganze Beweisführung läßt sich auch auf Palästina übertragen, denn Sippara ist nur der einzige zwingende Grund für Babylonien. Dieß geschieht weniger durch die Sitte, auf Kuchen irgend einen Vers anzubringen, den man Kindern zu essen gab, denn diese ist allgemeiner. Cf. Zunz zur Geschichte und Literatur 1; p. 168. 169.