Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 4 (April 1846)
- Date
- 1846-04-01
- Page
- Seite 153 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Wissenschaft des Judenthums. LS3 zwar schon ganz richtig, daß dieser Tag der„Hom Kippur" der Versöhnungstag sein werde, sein Grund aber, daß man das tq£to> firjvi als im dritten Monat der Regierung betrachten müsse, ist sehr unhaltbar, weil, wie überhaupt so eine Angabe undenkbar ist, doch dieß höchstens einmal der Fall gewesen sein kann. Die Schwierigkeit löst flch sehr leicht, wenn mau dem Josephus das ganze Datum aus einer griechischen Quelle nehmen laßt und zwar wörtlich, wie er dieß zu thun pflegte. Dann ist der dritte Monat Boedromion übereinstimmend mit dem September (Jackson chronol. Alter th. p. 383. Jdeler Handb. devEhrönol. I. 285.) und nichts ist dann mehr schwierig dabei, in dem „Tage des Fastens" den auserwahlten Versöhnungstag zu erkennen. Daß der griechische Autor Strabo gewesen und zwar in seinen v7coi}vi]fiaai, schließen wir aus der Geographie desselben, wo es Hb. 16. cap.2. heißt: ttjv rijs vriezticcg ri(iiQctv9 ganz analog Joseph. Alt. 14, 4. K. Daß auf solche Weise die Chronologie des Jos. an vielen Stellen zu erklären sein wird, werden wir an anderer Stelle beweisen. Die spatere Zeit, die sogenannte geonaische> die von dem Abschluß des Talmuds bis Ln die Mitte des ersten Jahrhunderts reicht, war nicht müsfiger in Bereicherung des öffentlichen Gottesdienstes, Gebet und Dichtung. In diese Zeit gehört eben hie Entwickelung der sogenannten Pintim, der Dichtwerke, die von den Peitanim, dey Dichtern, verfaßt worden find, die plötzlich Ln eine eigene Tracht von Kunst und Künstelei gehüllt vor uns erscheinen und durch die Maffenhastigkeit der Products wie durch die Kraft und die Anstrengung, mit der sie den Inhalt und die Form beherrschen, die größte Aufmerksamkeit fordern. Plötzlich erscheinen, ohne daß man bis jetzt den rechten Anknüpfungspunkt gefunden hatte, an dem sich die ErscheiyMg groß gezogen, ^poetisch großartige Stücke mit vielfach verschlungenem kunstvollstem Reime, und mit Akrostichen der mannigfachsten Weise. Bald wird das Alphabet zum akrostichischen Spielwerk, auf die verwickeltste, nuferer modernen Anschauung ganz wunderbaren Manier verwandt, bald werden Namen eingewirkt, bald Namen mit Alphabeten, die vor- und rückwärts laufen, umschlungen. Dabei namentlich in den ersten Anfängen die großartigste Composition, die die Sage des Alterthums hier im Dichtergewande darstellt und den Midrasch so noch einmal verjüngt wie einen Phönir her- Vorgehen laßt. Sänger und Prediger zugleich entwickelt der Peitan für die Erbauung und Tröstung der Gemeinde die weiten Rollen der Sagengeschichte, und nur die Weise, wie er dieses thrrt, wie er mit der leisesten Anspielung auf diesen und jenen Midrasch deutet, läßt erkennen, wie tief dieser Midrasch in das Volk eingedrungen war. Auch welchem Vaterlande die ersten Piutim, die zugleich die merkwürdigsten find", angehören, ist noch ein Räthsel; wie die Keime so vieles Großen, ruhen auch die Anfänge hebräischer Dichtung in einem Dunkel. Aus den Akrostichen derselben geht der Name des Dichters hervor, R. Elasar, Sohn des R. Kalir ‘»ST3 ‘nts&fcO; er nennt sich an einer andern Stesse deutlicher noch Elasar, Sohn des R. Kalir aus Kirjat - Seftr. Wo aber liegt das Kirjat- Sefer? Was ist das für ein Name Kalir? In welcher Zeit hat er gelebt? Wem hat er »achgeahmt? Asses das find Fragen, mit deren Lösung fich Mt Recht alle Häuptlinge der modernen jüdischen .Literatur beschäftigt haben. Aber schon die jüdischen Schriftsteller des Mittelalters wissen nichts von ihm. Die Eine» hielten ihn für eine» Tana, einen Lehrer dev mischntscheu Zeit (abgeschlossen im 3. Jahrhundert), Andere setzen ihn im Raum der geonaischen Zeit bald höher, Frankel, Zeitschrift IN. in