Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 4 (April 1846)
- Date
- 1846-04-01
- Page
- Seite 151 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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151 Zur Wissenschaft -es JudenthumS. lesen und für die ein äußerer Reiz nur liebliche Zugabe oder unnützer Schatz ist. Es ist nicht der systematische Geist, der einen Leib belebt, wie in den gottesdienstlichen Vortragen; es sind abgerissene Bergmaffen des Fleißes, die nur durch den Begriff des Inhalts gebunden sind und an denen die jetzige und künftige Generation mit Freude und Bewunderung zum allgemeinen Verstandniß emporklimmen wird. Sachs' Buch ist für gebildete Menschen, Zunzen's für Gelehrte und für Plagiatoren geschrieben; Sachs gibt Belehrung, Zunz Gelehrsamkeit; Sachs lehrt in dem Alterthum lesen, auch wenn man es kennt; Zunz gibt die Belesenheit, damit man es kennt. Sachs schließt sich an die Plastik des allgemeinen von griechischen Elementen getragenen Bildungsgeistes an; Zunz schließt das Antinationale aus, um die Massen des Nationalen thurmho.ch" zu entwickeln. Der Zweck von Sachsens Buch ist. Allen, die Sinn für Menschenbildung, für Entwickelung des menschlichen Geistes für Poesie und Poeten haben, auch den Weg in diese neue Welt des jüdisch-poetischen Lebens zu zeigen. Zunz schleudert die GebirgSmaffen seines Wissens auf die vorurtheilsvollen Verächter desselben; wie Typhon unter dem Aetna keuchen sie in Ermatten und Niederlage; der Dampf, der dem Staat seine Ungerechtigkeit gegen die Ration in seinen Grenzen noch immer verhüllt, er steigt von den Männern des frivolen Wissens auf, die Alles, nur nicht das Jüdische kennen, kennen wollen und kennen zu müssen glauben. Diejenigen, welche an dem Buche von Sachs sich erfreut, erfrischt und befreit. haben von manchem Seelenmakel und Vorurtheil, mögen, wenn sie sich Liebe und also Geduld zur Forschung errungen, an das Buch von Zunz gehen. Wenn sie beide gelesen, dann ein Wort über Emancipation und dem Befehle zu derselben mit diesen. Wir wenden uns als zu dem zuerst erschienenen, zu Sachs' religiösen Poesien. Das Buch besteht aus zwei Theilen; aus einer geschichtlichen Entwickelung der religiösen Poesie der Juden und einer Auswahl vorzüglicher hebräischer Poesien, die metrorhythmisch deutsch wiedergegeben sind. In dem historischen Theile entwickelt der Verfasser zuerst die Heiden Elemente, die aus dem Kanon der Schrift hervorgegangen find, das stabile unverrückte Gesetz gegenüber dem freien siüssigen Gedanken (p. 147); aus dem Pentateuch wuchs hervor die Halacha, das Gesetz, aus der religiösen Lyrik, die Sage, die Hagada, der Midrasch. Auch im Midrasch zeigt er das Bestreben des jüdischen Geistes nach. Alles neu Entwickelte, Gewordene, als schon im Alten Vorhandenes wiederzufinden; ein Act, worauf ein großes Stück jüdischer Anschauung ruht. Der Midrasch setzt diesen voraus und von ihm aus sucht und findet er Alles, was die Gegenwart an Gedanken und Verhältnissen an ihr herantragt, in der Geschichte der Vorzeit, wie ein Kind (p. 150), das mit Allem, was den Geist erregt und die Seele quält, zu seinem Vater, dem Inbegriff alles Wissens, laust. Dieser Vater war aber Gott, der Gott ihrer Vorfahren, der Geber ihres Gesetzes. Indem aber der Midrasch dieses thut und so die Bibel als eine Menge Terte für die neu quellenden ^Begriffe und Gedanken betrachtet, legt er nicht aus, paraphrasirt er nicht, führt er nicht erweiternd aus, sondern thut Alles zugleich, bald dem Einen, bald dem Andern mehr folgend. Hier findet der Vers, endlich den Gedanken an