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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1846-04-01 · 4 (April 1846) · p. Seite 147

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1846)
Issue
4 (April 1846)
Date
1846-04-01
Page
Seite 147 (sequence 29)
Language
German
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Allgemeine theologische Bibliographie. . 147 holt der Prediger in deutscher Sprache nach, oder recitirt er es zuvor in dieser Sprache und die Gemeinde wiederholt es für sich in hebräischer Sprache. — Wenn wir den Eifer des Herrn Vers, für Judenthum und die heilige Sprache ehren und in ihn? das vermittelnde Princip gern anerkennen, so vermögen wir doch nicht, uns mit seiner Liturgie ganz zu befreunden. Sie scheint uns vor Allem unpraktisch, da der Gottesdienst über die Gebühr verlängert wird. Man findet häufig die Wiederholung dos 2Ä als störend und der Andacht keine Beschäftigung darbietend: und nun sollen noch Stücke vom Prediger deutsch, diese dann wieder von der Gemeinde hebräisch gesprochen werden, oder erst die Gemeinde hebräisch, dann der Prediger deutsch: der Gottesdienst würde endlos sein. — Aber es scheint auch den Prämissen des Verfassers selbst zuwider, daß das Hebräische nur für die stille Andacht reservirt werde. Eine gänzliche Verpönung, daß sogar Niemandem erlaubt sein sollte, hebräisch zu beten, hat selbst der rigoroseste Radicalismus nicht' beansprucht: er will nur die hebr. Sprache als gottesdienstliche, als die rituelle Sprache der Gemeinde (was der Einzelne betet und seien es noch so viele Einzelne, ist mit Nichten das Gebet der Gemeinde) abschaffen: und diesem bietet der Verfasser die Hand, da er das laut Vorgetragene, mit Ausnahme einiger wenigen, vom Vorbeter recitirten Stellen, nur in deutscher Sprache sprechen laßt. Die Einwendungen, die der Verfasser früher gegen die Entfernung des Hebräischen machte, treten nun ihm selbst entgegen. Die hebr. Sprache muß in dieser Weise, stch ganz verlieren, fie bleibt nur als Ballast zurück, den man in kurzer Zeit bald über Bord werfen wird: das einheitliche Band, das im gemeinschaftlichen Gebete gesucht wird, ist aufgelöst u. s. w. Kann gegen die Aufnahme deutscher Gebete in die Liturgie nichts eingewendet werden, so soll das hebr. Element das vorherrschende bleiben, soll es wenigstens nicht hinausgestoßen und nur für einige Zeit noch geduldet werden. Dieses ist vorzüglich bei dem Gottesdienste einer bestehenden Gemeinde zu berücksichtigen. Individuen, besonders Jene, denen, wie wir früher gedacht, ohne ihre Schuld das Hebräische abhanden gekommen, mögen zu einer ganz deutschen Liturgie ihre Zuflucht nehmen. Eine Gemeinde darf aber nie, und fie wird es auch nicht, so länge wahrhafter Sinn für Judenthum und Judenheit in ihr schlagt, aus der Gesammtheit heraustreten, wird nicht das seit Jahrtausenden und noch von Millionen für Heiliggehaltene von sich stoßen: unsere Gemeinden brauchen noch nicht das beschämende Gestandniß abzulegen, daß ihnen das alte Heiligthum ganz fremd geworden und sie dieser Sprache ganz unkundig, ganz von ihr losgerissen sind; und wir hoffen zum Höchsten, daß es auch nie dahin kommen wird. Das hebr. Element bleibe im Gebete vorwiegend. Refer. kann sich hier nicht ausführlicher darüber aussprechen, doch kann jenem der Ehrenplatz eingeräumt werden, ohne daß der nach dem deutschen Gebete sich Sehnende hier nicht auch seine Andacht finde. So mögen vor 1222 statt des rmn piaa einige Psalmen deutsch gesungen oder recitirt werden (oder wenn es die Gemeinde angemessen findet, andere deutsche Gebetstücke) und dieses geschehe auch nach SB oder an einer dieser Stellen allein. Von 12^2 bis inclusive ist das hebräische Gebet beizubehalten: Einmischung fremder Stücke oder Uebersetzung wirkt nur störend, möVip soll in hebr. Sprache vorgetragen werden: dieses Heiligthum bleibe in seinen ursprünglich heiligen Tönen. Wir geben hier nur eine Andeutung, und fügen den innigen Wunsch hinzu: daß nicht Spaltungen und gewaltsame Riffe je hervortreten, und die Gemeinden bei liturgischen Veränderungen weder mit der Gesammtheit noch mit sich zerfallen.

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