Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 4 (April 1846)
- Date
- 1846-04-01
- Page
- Seite 146 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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146 Allgemeine theologische Bibliographie. disserentismus verschuldet, Sanction erhalten und unseren Kindern die hebräische Sprache ganz fremd werden soll, weil fie ihre Zeit aus viel Anderes, auf Erlernung der lateinischen, französischen, englischen Sprache u. s. wverwenden muß, kann kein Besonnener zugeben, sowie, daß wir endlich selbst dahin arbeiten sollen, die heilige Sprache unseren Kindern zu entfremden und fie aus der Schule zu verbannen, - ein Verrath ist, der nie von dem, dem der Glaube ein Inneres, Heiliges ist, gebilligt werden wird. Referent kommt ungern auf diesen Gegenstand zurück, und mußte nur dieses vorausgeschickt werden, um den Standpunkt dieses Gutachtens zu bezeichnen. Der Verfasser spricht sich warm für die hebräische Sprache aus: er halt es für eine Schmach, wenn wir einst am unwissendsten in ihr befunden würden (S. 6). Er hebt ferner hervor, daß diese Gebete Originale sind, und in dieser Sprache die göttliche Offenbarung verkündigt wurde u. s. w. (S. 6—9). Der Verfasser kommt nun zurück auf das characteristische Merkmal des jüdischen Gottesdienstes, wie er ihn im Eingänge bezeichnet: der katholische Gottesdienst hat zu wenig geistige Thatigkeit, der protestantische führt Alles auf Belehrung — die Predigt — zurück und räumt der Selbstthätigkeit zu wenig ein; der jüdische Gottesdienst ist wesentlich auf Belehrung und erbauliche Selbstthätigkeit der Gemeinde basirt: das Gebet hat hier gleichen Antheil mit der Belehrung *). Niemand darf also an dieser Selbstthatigkeit behindert werden: und muß das Recht, in jeder Sprache zu beten, doch auch wohl zu Gunsten des Hebräischen in Anspruch genommen werden können. Der Verfasser meint daher (S. 9), daß man die verschiedenen Elemente, die beim jüdischen Gottesdienste, hervortreten, von einander scheiden müsse. Es find Gebete, welche Jeder für sich spricht; Gebete, welche der Vorsänger recitirt; Vorlesungen aus der Thora- und den Propheten. Bei dieser letzten Abtheilung darf unbezwekfelt das hebräische Original nicht verdrängt werden. Hinsichtlich der Gebete, die Jeder für sich selbst spricht, ist es natürlich Jedem freigestellt, in der Sprache zu beten, in der er zunächst seine Andacht findet. Die Stücke, die der Vorsänger recitirt, da fie im Allgemeinen nur Wiederholung oder Anticipation von Gebetstücken find, die die Gemeinde auch spricht, so kann rituell kein Anstoß daran genommen werden und ist sogar der ursprünglichen Idee entsprechend, daß das laut und für die Unkundigen Wiederholte in der Allen gemeinsam verständlichen Sprache gesprochen werde. Nachdem der Verf. (S. 11—15) erklärt, daß die frommen Wünsche für Messias, Rückkehr nach Palästina und Opfer aus dem Gebete, das Jeder für sich spricht, keinesfalls anszuweisen seien, laßt er (S. 15 ff.) eine Probe^ seiner.vorgeschlagenen Liturgie für den Vormittagsgottesdienst des Sabbat folgen. Es ist hier viel der stillen Andacht anheimgestellt und sind die hebräischen Stücke wie bisher Jedem überlassen: Einiges 1) Gehet ihm im Grunde sogar noch voraus. Der Gottesdienst ist dem Juden der Erguß des Herzens; die Belehrung soll ihn läutern, die Grundlage macht aber natürlich das Gebet. Wir würden diese drei Eulten auf folgende Weise bezeichnen. Der katholische Gottesdienst beabsichtigt vorzüglich Erbauung, die aber durch sinnliche Einwirkung (Bilder, Musik u. s.w.) statt der reinen Gemüthserhebung nur eine sinnliche bietet: der Protestantismus hat die Coutemplation, die Erbauung durch Predigt dürfte etwa nur bei jenen ^protestantischen Secten zu suchen sein, wo die augenblickliche Begeisterung zum Sprechen befähigt, denn nur die Begeisterung, die unmittelbare Eingebung reißt hin: im jüdischen Gottesdienst bildet die Erbauung, sich wenig an Sinnliches anlehnend, das wesentlichste Moment, zu dem die Belehrung — die Contemplation — hinzutritt. F.