Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1846-04-01 · 4 (April 1846) · p. Seite 143

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1846)
Issue
4 (April 1846)
Date
1846-04-01
Page
Seite 143 (sequence 25)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2744856-2744883-2744888--1088-2746054
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

' Allgemeine theologische Bibliographie. 143 Vortrag „der Mond" enthalt eine Betrachtung bet der Verkündigung des Neumondes und bespricht die Bestimmung des Menschen im Allgemeinen und die Bürgschaft für den Fortbestand Israels. Der fünfte Vortrag „wie erziehen wir unsere Kinder" handelt über die religiöse Erziehung. Wir verweilen etwas langer bei diesen Vortragen, weil fie einen innern Gehalt haben, und sich sowohl durch eine kräftige Gesinnung als eine gediegene klassische Redeweise auszeichnen. Erkennen wir daher von dieser Seite gern das Verdienst des Verfassers an, so scheint uns, als habe er anderseits seine Aufgabe, die Anwendung der Agadot in Predigten, nicht zu vollständiger Befriedigung gelöset. Diese Anwendung soll sich ein doppeltes Ziel vorsetzen: fie soll den Schatz weiser Sprüche und Erklärungen, den die Alten aufgehauft, öffnen und uns bei ihnen Vieles suchen lehren, und gerade, weil diese Sprüche und Erklärungen so viel Geistreiches enthalten, uns Stoff zum Nachdenken geben. Letzteres ist jedoch das primäre Ziel: und ist daher die geistreiche Deutung dieser Sprüche u. s. w. uns willkommen, hat sie auch noch dann Interesse, wenn sie auch nicht ganz nahe liegt; ja das Interesse wird gerade durch die Spannung,, die sie hervorruft, erhöhet, und fühlt der Geist sich befriedigt, wenn eine entsprechende Lösung ihm die Stelle naher bringt und er sich sie ganz einverleiben kann. Dieses ist, was an dem »iian dessen der Verfasser im Vorwort gedenkt, erfreute: Gemüth und Geist fand Leine Nahrung. Hingegen wird eine mühsame Entrathselung dunkler Stellen schon weniger ansprechen: die Function des Verstandes wird schon zu sehr beansprucht und das Gemüth zurückgedrangt; und selbst der Verstand fühlt sich selten ganz-befriedigt; er fragt zweifelhaft: ob dieses denn wirklich der Sinn der angeführten Stesse sei. Muß er endlich sich dieses ganz verneinen, sich sagen, daß der angeführte Spruch etwas ganz Anderes enthalte, so erweckt die gezwungene Deutungsweise einen Unwillen, den das Unwahre auf jedem Gebiete des Denkens und Forschens hervorruft. Dieses war das Uebel, an welchem die Dar sch an im, vorzüglich die des vorigen Jahrhunderts litten und durch das das Volk ihrer ganz überdrüssig wurde, wenn auch seine ästhetischen Ansprüche nach seiner geringen Bildungsstufe nicht gerade sehr bedeutend waren. Fragen wir nun/ nimmt der Verfasser die Stelle des zuerst bezeichneten, zu Geist und Gemüth sprechenden Interpretators oder die der zuletzt benannten Darschanim ein? so muß man gestehen, daß er sich in mancher Weise zu diesen gehalten, sowohl hinsichtlich der Auffassung der Schrift als der des Midrasch. Wen kann die Deutung ansprechen „ivy) pWPa WW (Pf. 81, 6.) in dem beständigen Fortgange zu einer höhern Stufe der Vollkommenheit ist ein großes Zeugniß niedergelegt ff."? eine Deutung, auf die der Verfasser mehrmals (S. 79. 83.) zurückkommt. Wird hier nicht ein Spiel getrieben, wird nicht das augenblickliche Wohlgefallen (!) bald durch den Unwillen über dieses gewaltsame Aufbürden eines Sinnes, dem der. Text durchaus widerspricht, verdrängt werden? Oder „awi Vm. "p-ipa -ppba t! (Deuteron. 7, 21.). Denn so nur der Ewige dein Gott in dir ist, wohnt ejne große furchtbare Kraft in dir", und der Verfasser fügt noch hinzu „spricht Moses"!! — Und wie werden vollends die Midraschim gedeutet! Der Verfasser gibt uns in der Midraschstelle, die er zur Unterlage seines zweiten Vortrages wählt,, eine schöne Probe seines Geschmackes und daß es ihm nicht an eindringendem Blicke fehlt. Doch bald verlaßt er diese Bahn, legt nicht nur dem Spruche einen ihm ganz fremden Sinn unter, sondern man möchte fast sagen, verkennt den Sinn absichtlich. Die Stelle vera^llot 10. >51 *iM5-w braucht fast keine Erlaute-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.