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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1846-04-01 · 4 (April 1846) · p. Seite 141

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1846)
Issue
4 (April 1846)
Date
1846-04-01
Page
Seite 141 (sequence 23)
Language
German
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Tagesbegebenheiten. £41 in der Natur dieses traurigen Drama's. Die Insurgenten proclamirten allgemeine Freiheit: die Juden waren mitbegriffen und der Rabbiner Meise l wurde mit Musik und Ehrenwache nach Hause begleitet. Aber es war nur ein vorüberfliegender Traum, sowie die ganze Insurrektion eine Geburt der Phantäfle und ihrer Truggebilde. Wird aber endlich der Freistaat Krakau, da seine Verhältnisse sich von Neuem ordnen sollen, zu milderen Maßregeln hinsichtlich der Juden greifen? — Wird, was noch wichtiger ist, Oesterreich die Lage seiner galizischen Juden, die ihm viele Anhänglichkeit bewiesen, verbessern, wird es die Lichtsteuer *)/ dieses Pasquill auf die Staatsweisheit Oesterreichs, abschaffen und sich in der That den Juden als eine landesväterliche Regierung zeigen? Wahrlich! die Geschichte unserer Tage mahnt: es ist jetzt mehr als je an der Zeit, daß die Herrscher sich der Liebe und Treue ihrer Unterthanen vergewissern. Galizien hat über 200,000 jüdische Einwohner, die dem Kaiserhause anhängen und zur Zeit der Noth Etwas in die Waage werfen. In ihnen wird der Kaiserstaat nicht jene wilde Horde finden, die durch eine Belohnung von 10 Gulden für den Kopf Mord und Entsetzen erregenden Greuel verbreitet: in ihnen wird ein Kreishauptmann nicht die bereitwilligen Helfer zu Maßregeln finden, über die die Gegenwart tief errörhet und die Zukunft nur mit Entrüstung berichten wird: sie werden treu sein aus Ueberzeugung, sowie ihre Brüder im Großherzogthum Posen dem Seepter Preußens mit Liebe ergeben sind und das Gesetz, das sie als militärpflichtig erklärt, mit Jubel aufnahmen. * * * Die Deputirtenkammer zu Paris beschäftigte sich in ihrer Sitzung vom 5. Februar mit dem Paragraphen der Adresse, der die polnische Nationalität bespricht. Herr Sizeranne beantragte ein Amendement, in welchem folgende Stelle vorkommt: „Im Namen des Völkerrechts, im Namen der christlichen Civilisation und der Menschlichkeit, ruft, sie Europa zurück je." Cremleur stimmte dem Amendement bei, aber ohne die Worte „christliche Civilisation." „Ich will Civilisation ganz einfach." (Einiger Lärm.) 1) Bekanntlich müssen die galizischen Juden neben der Fleisch- und anderen jüd. Steuern eine wöchentliche Steuer von den Lichtern (Kerzen) entrichten, die sie am Freitagabend dem religiösen Gebrauche gemäß anzünden. Der Arme wie der Reiche ist mit dieser Steuer belastet: selbst wenn kein Licht angezündet wird, selbst wenn das Geld für die Lichtsteuer erst ausgeborgt werden muß, und der Arme dann in doppelter Finsterniß fitzt. Diese Lichtsteuer, eine der härtesten und ungerechtesten Maßregeln, übt ihren Einfluß auch auf andere Verhältnisse, da nach Anzahl der zu brennenden Lichter, d. i. der Lichtsteuer, die Zulassung und Befähigung zu einem Gemeindeamte berechnet wird.

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