Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 4 (April 1846)
- Date
- 1846-04-01
- Page
- Seite 140 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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140 Tagesbegebenhetten. unter anderen folgende Beschlüsse gefaßt: l) Daß sofort eine Collecte eröffnet werde, um einen Fond zu gründen, der durch ein Comite zur Unterstützung russisch-jüdischer Auswanderer verwendet werde. 2) Daß ein Ansschuß gewählt werde, der die Collecten besorge, und sich mit Sr. Hochw. dem Hrn. vr. Frankel in Korrespondenz setze u. s. w." Auch von einer andern sehr einflußreichen Seite ist uns die Zusicherung thätigen Mitwirkens zugegangen: nur soll erst der Erfolg der Reise Montefiore's abgewartet werden. Der Herausgeber braucht kaum hinzuzufügen, daß er die Gelder weder zu-seiner Disposition gestellt wissen will, noch daß ihm irgend ein Einfluß Vorbehalten werde. Die Ausführung bleibt allein dem sich bildenden Centralcomitee überlassen; er wollte nur anregen, und findet er in der hochherzigen Theilnahme, die sich von mehreren Seiten kundthat, den schönsten Lohn. * * * Die Deutsche Allg. Zeitung berichtete aus Breslau, daß ein von Krakau gekommener Jude bei der Mittheilung über die dortigen Vorgänge und die Vertreibung des Senats naiv hinzugefügt habe, daß dieses eine göttliche Strafe sei wegen der vom Senat ergangenen Verordnung, daß die dortigen Juden ihre polnische Tracht andern sollen. Vervollständigen wir, was dieser Jude naiv verschwiegen. Die freie Stadt Krakau übt, wie dieses überhaupt in der Natur der Freistädte zu sein scheint, als wenn in ihnen zumeist die Unfreiheit sich ihren Ruhesitz aufschlagen wollte, gegen die Juden einen ungemeinen Druck. Sie sind nicht nur auf den schmutzigen finstern Casimir beschränkt, sondern auch mit besonder» Judensteuern belastet, die bei der grenzenlosen Arrnuth und der Beengung der Nahrungszweige sich um so fühlbarer machen. Referent, der vor mehreren Jahren von einem Eingeborenen in diese Geheimnisse eingeweihet wurde/ schrickt noch heute zurück bei der Erinnerung an die Kopfsteuer, Tranksteuer und andere Abgaben, .die ausschließlich der Jude leisten muß. Neben diesen Bedrückungen hat die freie Stadt Krakau noch die verkehrtesten Maßregeln gegen die Juden aufzuweifen: beginnt sie von da wo man enden sollte. Statt den Juden die Erlaubniß zu ertheilen, allenthalben zu wohnen, wodurch diese von selbst sich den herrschenden Sitten amalgamiren und die polnische Tracht (da ihre Ablegung einmal nach dem russischen Aufklarungssystem als ein gewichtiger Fortschritt betrachtet wird) von selbst entfernen würden, wird im Gegenteile nur denjenigen Juden, die den großen Schritt gethan und diese Tracht abgelegt, allgemein zn wohnen gestattet. Da also mit dem polnischen Rocke ein gewisses Märtyrerthum verbunden ist, wird er noch theuerer: und wird, wer ihn ablegt, als ein Verräther, als ein Ueberläufer betrachtet. — Daß die Juden durch die, Krakau betroffenen Unfälle leiden, liegt