Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 4 (April 1846)
- Date
- 1846-04-01
- Page
- Seite 136 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2744856-2744883-2744888--1081-2746047- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
136 Die Principien des Talmuds in Ve^ug auf Reformen im Zudenthume rc. nem Worte reformirt worden, im wahren, eigentlichen Sinne des Wortes. Daß dieses geschehen ist, liegt vor uns: wie und wann dieses geschehen ist, wird, würde es auch der beschränkte Raum eines Aufsatzes gestatten, schwerlich je mit historischer Gewißheit ermittelt werden können. Wir wollen hier also nur die Grundsätze, die Principien, nach welchen es geschehen, die zu kennen und über sie sich zu vereinigen, eine unerläßliche Bedingung für unsere Zeit ist, etwas genauer und motivirter, als es vielleicht bisher geschehen, angeben, und wie wir sie mit 'einer unbefangenen Untersuchung im Talmud, in dieser großartigen Werkstätte aller jüdisch-religiösen Products, theils ausdrücklich, theils bloß angedeutet, gefunden haben, hier zusammenstellen. Um aber selbst das Entstehen dieser Principien leichter zu erkennen und zugleich einen sichern Maßftab, an welchem wir ihre Gültigkeit prüfen, vor Augen zu haben, müssen wir einen Blick aus den Gang der historischen Entwickelung werfen und die wichtigsten, klar und deutlich - in den nachmosaischen und talmudischen Büchern vorliegenden Andeutungen, welche auf Accomodationen und Modifikationen einzelner mosaischer Gesetze Hinweisen, hervorheben; dann auch weiter untersuchen, welchen Weg diese Fortbildung und Entwickelung bei den rabbinischen Satzungen eingeschlagen und welches Princip dieser Entwickelung zu Grunde liege. Das erste Beispiel, wo das Gesetz eine andere Anwendung erhielt, als man nach dem natürlichen Sinne davon machen würde, scheint die strenge Beobachtung des gegebenen Eides Josua 9, 20. zu liefern. Das betreffende mosaische Gesetz 4. B. Mos. 30, 3. verordnet nichts über einen derartigen Eid, der irrthümlicher Weise gegeben wurde]); Dieselbe Erschwerung dieses Gesetzes finden wir Richter 11, 35.21,1—8. Das Nasirgesetz 4. B. M. 6, 3 ff. scheint Richter 13, 4. 7. in dem Ausdrucke Vs “ösxn xVi eine Erweiterung, sowie das Gesetz 5. B. M. 17,15. in I. Samuel 8, 5—-18. eine förmliche Modifikation erlitten zu haben. H. Könige 3,19. demovirt Elischa das Gesetz mnan »V nss nx (5. B. M. 20,19., vgl. Midrasch Tanchuma zu Pinchaö). Das Sabbatgesetz erscheint Jesaias 58, 13. Jereln. 17, 22. und Nehem. 13. bedeutend erweitert. In Jecheskel 44. finden sich über das Verhalten der Priester ganz andere Bestimmungen, als man sie dem Wortstnne nach in den mosaischen Gesetzen erkennen würde. So scheint 1) Es trat hier nämlich eine Collision ein, zwischen der Ausübung dieses Gesetzes und dem 2. B. Mos. 23 , 32. verordneten; aber Josua und die Volksrepräsentanten glichen sie auf die menschenfreundlichste Weise aus.