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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1846-04-01 · 4 (April 1846) · p. Seite 134

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1846)
Issue
4 (April 1846)
Date
1846-04-01
Page
Seite 134 (sequence 16)
Language
German
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134 Die Principien des Talmuds in Vezug auf Reformen im Zudenthume rc. halt, das Wesen nicht berühret, sondern demselben eine andere zeitgemäßere, adäquate Form gibt, ist nicht nur nicht vom Judenthume ausgeschlossen und verbannt, sondern vielmehr in demselben bedingt und begründet, und erscheint sie auch als ein vorherrschendes Element seiner ganzen historischen Entwickelung. Kein Institut, das für Menschen da ist, kann durch alle Zeiten immer dasselbe bleiben, und um so weniger konnte es das jüdische bei den von ihm erfahrnen mannigfachen Gestaltungen des Lebens; auch wird selbst der gläubigste und orthodoxeste Rabbiner nicht behaupten, daß das ganze Gebäude von Lehren und Satzungen, wie wir es heute vor uns haben, in diesem. Umfange und in dieser Form schon in Moses Zeiten errichtet da stand. So oft der Himmel, in dem sie lebten, der Horizont, in dem sie wirkten, sich änderte, so oft hatten sie ihr Kleinod vor den ungewohnten Lüften und Einflüssen zu schützen, so oft mußten sie entweder wegen der starken Kälte es besser einhüllen, oder wegen der unerträglichen Hitze es von manchem Gewände befreien. So oft Stürme sich gegen sie erhoben und Regenströme über sie sich ergossen, so oft rissen auch diese Ströme einen Theil von dem heiligen Damme ab, oder setzten einen noch größer» demselben an. Kurz so oft eine wichtige Epoche in ihr Leben eintrat, so oft sah man sich genöthigt zu Reformen. Aber diese Reformen erschienen nie als eine neue, dem Gehalte aufgedrungene, sondern vielmehr immer als eine ihm eigenthümliche, aus ihm hervorgegangene Gestaltung, weil sie immer in ihm ihre Quelle und ihren Stützpunct hatte. Man sah und erkannte das heilige Gesetz als ein ewiges, unabänderliches an, so wie das Gesetz seiner göttlichen Natur ein ewiges unabänderliches ist *). Aber, sowie dieses, sobald, eine Veränderung eintritt, gefragt und erforscht werden, wie dieses zu jeder Erscheinung den Grund, die Erklärung und die Lösung geben, wie dieses bei jedem sich anders gestaltenden Phänomen auch auf eine andere Weise erkannt, bei jeder Erfindung nach den verschiedenen Graden der Erkenntniß, der Erfahrung, nach den Umständen, nach den verschiedenen Klimaten und 1) Diese beinahe buchstäbliche Vergleichung finden wir Jerem. 8, 7. und Sifri zu is'TOrt im Anfänge, wo besonders die Stelle herauszuheben ist: dlristz tfv’n Sfiin w öiisV G'”'n “irrä NA. Nach dem Talmud hängt das Bestehen und wohlthaiige Fortwirken des Naturgesetzes für Israel von dem Bestehen und Ausüben des Gesetzes der Schrift ab (Aboda Sara 3a. Pesacbim 68b. u. a. a. £>.); und sowie.die Rabbiner des Talmuds die Behauptung des Kohelet lüwan nnn ann “piä streng und consequent bei jeder Erscheinung in der Natur durchführen (Sabbat 30b.), so führen sie auch in Beziehung auf das Gesetz der'Schrift des Grundsatz durch tf'SS V’S (Joma 80a. Megila 2b. u. a. a. O.).

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