Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 4 (April 1846)
- Date
- 1846-04-01
- Page
- Seite 133 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Principieil des Talmuds in Bezug auf Reformen im Judenthume k. 133 Wie Prmcipien -es Talmuds in §e?ug auf Reformen im Iudenthume. Von Salomon Sachs, Kreisrabhiner*). „Reform" ist jetzt die Losung, der Nothschrei Vieler in Israel: Reform trägt beinahe jeder in der jüdischen Literatur erscheinende Aufsatz als Motto an der Stirne, und in der That ist Reform das Getriebe in der neuen Maschine des israelitischen religiösen Lebens, das alle Gemüther in Bewegung setzt. Die Einen begrüßen sie als eine freudige Zauberformel, die mit einem Schlage sie von Allem was sie drückt und beengt befreien werde; die Andern erkennen m ihr eine grausenerregende Erhebung gegen Alles, was ihnen theuer und heilig ist. Die Einen sehen nur in ihr den Engel zur Rettung des Glaubens, zur Erhaltung wes Judenthums; die Andern erblicken in ihr den Verderber, der das ganze Religions-Gebäude, in welchem ihre Väter, in welchem sie selbst bisher so zufrieden, so trostreich und hoffnungsvoll geruht, in Brand stecken will. Aber Beiden ist der Begriff Reform, weil er seit langer Zeit hat aufgehört ein gültiger zu sein in Israel, seit langer Zeit ganz aus dessen religiösem Leben verbannt ist, ganz entfremdet worden und er.erscheint ihnen nun als ein Prodigium, von dem die Einen zu viel hoffen, die Andern zu viel fürchten. Denn nicht die Reform, die im Gehalte, im Wesen der Religion bedingte Umbildung und Verbesserung der äußeren Formen nach den Erfordernissen der Zeit und der Umstände, und in den dießfalls bestehenden Religionsgesetzen bedingt, ist es, womit jene sich freuen und wovor diese zurückschrecken, sondern es ist die Reform, die Entfesselung, die Befreiung von jeder beschränkenden Form, eine ungesetzliche, widernatürliche Umänderung, durch welche nicht die schädlichen Auswüchse abgeschnitten, sondern der ganze Stamm bis an die Wurzel abgehauen werden soll, die die Einen unter der milden Benennung eingeführt und die Andern mit Recht ganz aus dem Judenthume ausgeschlossen haben wollen. Eine Reform, wie Jene wünschen, muß allerdings von jedem Institute und um so mehr von dem jüdischen als seinem Wesen und dem Zwecke, wozu es da ist, höchst verderblich zurückgewiesen werden. Aber eine Reform, die ganz dem Wortlaute, dem Inhalte dieses Begriffes entspricht, die den Ge- *) Wir geben hier ununterbrochen diesen einer brieflichen Mittheilung entnommenen Aufsatz, und werden erst zu Ende manche Bemerkung anschließen. F.