Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 4 (April 1846)
- Date
- 1846-04-01
- Page
- Seite 130 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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130 Die Construction der jüdischen Geschichte. unglückliche Nebenbedeutung davon entfernen, welche eine ungerechte Nachwelt diesem Worte angeheftet hat. Die Heuchelei und die Scheinheiligkeit liegt dem Princip des Pharisäerthums eben so fern, als etwa der Handelsgeist dem Judenthume, und die. einzelnen Entartungen dieser Secte sind von dem als pharisäisch verschrienen Talmud eindringlicher gerügt und gegeißelt worden, als von dem Religionsstifter aus Razarelh.— Der Pharisäismus also hält sich mehr an die religiöse Seite des Judenthums, der Sadducäismus an die politisch-sociale. DenPharisäern oderPeruschim, streng in dem Judenthume stehend, das die Maccabäerkriege eben der syrischen Tyrannei abgerungen hatten, ist das Leben nur der Religion willen da, das in allen seinen Dimensionen von dem Religiösen durchzogen und durchdrungen sein soll. Da, wo das Leben von dem Gottesgedanken — einerlei mit dem Gesetze — leer erscheint, ist es ein unheiliges undunreines, und kann nur durch strenge Religionsübung geheiligt werden. In der Gegenwart soll das Gesetz mit allen seinen Ausflüssen, Umzäunungen, ja mit den selbst aufgelegten Erschwerungen die Breite des Lebens einnehmen, jeder Schritt soll ein religiöser sein — oder er ist unheilig. In der Zukunft erwartet der Pharisäer, auf die prophetischen Verheißungen weiter bauend, die allgemein verbreitete Gotteserkenntniß; das strenge Gesetzleben, die gesetzliche Reinheit, die in der Gegenwart nur von einem Theil des Volkes — den wiIn — beachtet werden, wird in immer größern und größer» Kreisen Theilnahme finden, der Messias wird eine religiöse Ailfgabe lösen. Die in der heiligen Schrift verheißenen Belohnungen haben nicht die dießseitige sociale Glückseligkeit, sondern eine jenseitige übernatürliche Seligkeit zum Zwecke. Die charakteristischen Merkmale des Pharisäismus sind: strenge Gesetzesübung, übertriebene Reinigungsbestimmungen, Tradition, Absonderung von dem nieder» frechen Volke, endlich das Dogma voneiner künftigen Welt und Auferstehung. Die Sadducäcr, von griechischen Elementen genährt, und dem Lebensgenüsse huldigend, betrachten die Religion nur als ein Mittel zum Zwecke, welches das Leben ist, das Religiöse soll die Glückseligkeit befördern und begründen *). Die in der Schrift niedergelegten Gesetze reichen vollkommen zu. diesem Zwecke aus, jeder Zusatz, er möge als ererbte Tradition oder als Verhütungsmaßregel eingefugt werden, beengt den freien Spielraum des Lebens^ und hemmt die vom Juden- 1) Charakteristisch dafür ist Josephus' Nachricht, daß die Reichsten dem Sadducaismus anhingen, ferner der in Megillat Taanit den Sadducäer» in den Mund gelegte Ausdruck: naan ‘unsA msts nfk jpn,— irn VaW’ anik ■ff'a'i ina».