Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 4 (April 1846)
- Date
- 1846-04-01
- Page
- Seite 129 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Construction der jüdischen Geschichte- 129 keit des Menschen, das Judenthum war auf die Macht der Idee allein angewiesen und diese verwandelte waffenscheue Dulder' in kriegerische Helden, sie erweckte eine Heldenfamilie, sie entzündete den Enthusias- , mus in des Volkes Herzen. Das Judenthum war sich durch den Gegensatz des Heidenthums seines eigenen Wesen bewußt worden, es hatte sein Herzblut, seine Heldenkrast an die Selbsterhaltung gesetzt,* und durch diesen Kampf auf Tod und Leben mit dem Heidenthum jene Weihe empfangen, die für alle Folgezeit heilsam und nachhaltig wirkte. — Die Maccabäerzeit reflectirte die Da vidi sch e Glanzperiode mit vorherrschend religiösem Character. Jochanan Hyrcanes ist der David der zweiten Periode, aber er war nicht König, sondern Hoherpriester, seine Kriege hatten nicht politische, sondern religiöse Tendenzen. Die religiöse Spannung war zu dieser Zeit bis zur Intoleranz gesteigert. Die Zerstörung des samaritanischen Tempels auf Garizim, das Aufnöthigen der Beschneidung der besiegtenJdumäer war eine Folge der so zu sagen nationalen Religiosität. Bei aller Höhe der Selbstständigkeit, die das Judenthum unter den nachfolgenden Maccabäcrregenten erlangte, kam es doch nicht zu einem markirten Staatsleben. Zuerst sollte sich die religiöse Seite bis in ihre äußersten Consequenzen in die Geschichte hineinleben. Das politische Interesse wurde als Nebensache nur nebenher betrieben, so daß sogar die Machthaber selbst sich leicht das Scepter aus ihren Händen ringen ließen. D r i t t e P h a s e. Das fremde Element, das-in das innere Wesen des Judenthums eingedrungen war, sondert sich ab und tritt äußerlich in der Form religiöser Parteiung auf. Das Grstchenthum wurde als Fremdes, das sich überwältigend dem eigenthümlichen Jüdischen aufdringen wollte, glücklich überwunden; aber noch bestand es im Innern der Gemüther fort und erzeugte einen Gährungsproceß im Judenthume selbst. Die heidnische, durch das Griechenthum vermittelte, verfeinerte Anschauung wurde als Maßstab zur Beurtheilung des Judenthums genommen. Es trat mit einem Worte der Kampf des Sadducäismus und des Pharisäismus in die Erscheinung, und dieses jüdisch-geschichtliche Phänomen hat denselben Hintergrund wie die Theilung des Reiches Israel und Juda, deren Analogon es bildet, hier das vorherrschend politische, dort das vorherrschend religiöse Moment. Es liegen dieser Parteiung die beiden Factoren des Judenthums zuGrunde. Die beiden Seiten, die das Judenthum zu einigen und zu verschmelzen strebt, die religiöse Wahrheit und die Glückseligkeit, die Gottesfurcht und der Lebensgenuß wurden von diesen Parteien zerrissen. — Ehe ich aber von dem Pharisäismus spreche, muß ich die