Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 4 (April 1846)
- Date
- 1846-04-01
- Page
- Seite 128 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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128 Die Construction der jüdischen Geschichte. zündet und die geistige Einheit erzielt. Dieses fremde Element, das eine tiefe Bewegung, eine fortschreitende Undulation im Judenthume hervorgerufen, war der Hellenismus. Die Monarchie und der Hellenismus, beide sind vom Judenthum mit Widerstreben ausgenommen, beide drohten seinem Wesen Untergang, beide aber sind im Laufe der Zeit mit demselben verarbeitet in dasselbe eingefugt, ihr schädlicher Einsiuß ist überwunden worden. Die Siegeszüge des makedonischen Helden, des gelehrigen Schülers von Aristoteles, der, wie ein „beflügelter Leopard", die Lander vom Hellespont bis zum Ganges, vom Orus bis zu den Quellen des Nil durcheilte und unterwarf, legte in allendiesenLändern den Keim griechischer Bildung und Gesittung nieder. Der Hellenismus mit seinen verlockenden Formen erblühte am Euphrat, am Orontes und an den Ufern des Mumienlaydes. Das langgestreckte Palästina lag eingekeilt zwischen den beiden Höfen Antiochiens und Alexandriens, die an Ueppigkeit und Treulosigkeit einander nichts nachgeben und das für politische Händel gleichgültige Judäa wurde durch die Empfindlichkeit und Eroberungslust dieser Höfe in alle Verwicklungen und Verlegenheit gezogen. An dem" Hofe zu Alexandrien, wo die Juden, wenn sie nur ihren Jahrestribut entrichteten, wohlgelitten waren, lernten sie das Griechenthum von der annehmlichen Seite kennen. Bald - hatten sie sich nicht nur die Sprache der Griechen, in deren Formen sie den Geist des Judenthums nach vielfacher Verzerrung und Verkümmerung gegossen und die Bastardliteratur der Apokryphen erzeugt haben, sondern auch die leichte, den Lebensreiz befriedigende Richtung angeeignet und die Söhne Tobias, Verwandte des hohenpriesterlichen Hauses, waren nur noch durch Abkunft Juden. Immer mehr gewann der Hellenismus, von dem der sinnige Dichter des Divan treffend sagt: er trage nur Blüthen, keine Früchte, Liebhaber unter den Würdenträgern des Tempels,—das verfeinerte Heidenthum hatte in Vieler Augen nicht mehr das Entsetzliche und sie boten ihm freundlich die Hand. Antiochus Epiphanes' gewaltsames Aufdrängen des Heidenthums fand ein bereitwilliges. Entgegenkommen von Seiten mancher Vertreter des Judenthums, sonst wären die wahnsinnigen Maßregeln von vorn herein nutzlos gewesen. Aber gerade durchdie gefällige Zuvorkommenheit gegen das Heidenthum erkannte das Volk tief, wie sein geistiges Eigenthum in entschiedenster Gefahr schwebte, und es vergoß zum erstenmale echtes Märtyrerblut für sein Heiligthum. Jetzt erfolgte der erste gewaltige Zusammenstoß der zwei religiösen Anschauungsweisen in ihrer geschichtlichen Ausgeprägtheit. Das Heidenthum hatte auf seiner Seite eine imposante materielle Macht, verführerische Reize und die ganze Natürlich-