Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 4 (April 1846)
- Date
- 1846-04-01
- Page
- Seite 125 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Die (äsnjhudiori der jüdischen Geschichte. 125 das Uebergewicht erlangt und das social-politische Interesse nur einen untergeordneten Rang einnimmt. Trat in der ersten Periode das Staatliche mit ausschließlicher Einseitigkeit auf, so trieb die zweite Periode das Religiöse bis zur Einseitigkeit, bis zur Negirung jeder politischen Selbstständigkeit: das Judenthum hörte auf Staatsgrundgesetz zu sein und wurde Religion im hergebrachten Sinne des Wortes. Während aber in der ersten Periode das exklusive politische Interesse, als an das natürliche Bedürfniß angelehnt, mit seinem Höhepunkt beginnt und eine abnehmende Bewegung hat, so erreicht in der zweiten Periode die religiöse Ausschließlichkeit, als eine von der Natürlichkeit völlig abgestreifte Erscheinung, erst zuletzt ihren Culminationspunct und macht eine zunehmende Bewegung. Beiläufig will ich nur hier bemerken, daß diese beiden Einseitigkeiten und ausschließliche Extreme unmöglich den Charakter des Judenthums ganz darstellen können, und so wenig die rein staatlichen Bestimmungen den Inhalt des Judenthums erschöpfen, eben so wenig entsprechen die rein religiösen der vollen Idee desselben. Es kann nicht fehlen, daß die religiöse Periode der jüdischen Geschichte Analogieen hat mit dem politischen Verlaufe derselben, daß die beiden Entwickelungsphasen denselben Typus verrathen. — Begleiten wir das heimkehrende Häuflein der Exulanten, kaum 100,000 an der Zahl, die Cyrus auf eine eben so huldvolle als unbegreifliche Weise in die Heimath entließ, und sehen wir zu, von welchem Interesse sie auf dem heimischen Boden bewegt sind. Die geschichtlichen Thaten sind ganz religiöser Natur. Das erste Bedürfniß der Heimkehrenden ist einen Altar an die Stelle des eingeäscherten Tempels provisorisch zu erbauen und vorschriftsmäßig den Opfercultus zu restauriren. Das Succot-Fest wird gefeiert, die Levitenchöre arrangirt, der Grundstein zum neuen Tempel gelegt und alle Hoffnung auf die Vollendung desselben gesetzt. Die drei letzten nacherilischen Propheten erheben nicht mehr ihre Stimme für politische Zwecke, sondern legen das Religiöse dem Volke an's Herz. C h a g g a i rügt die Nachlässigkeit im Tempelbau, Zacharias beschäftigt sich mit der Fastensrage und verkündet die einstige Theilnahme aller Völker am Succot-Feste, M a l e a ch i beschließt das Prophetenthum mit den Worten : „Gedenket der Lehre meines Dieners Moscheh, die ich ihm auf Horeb für ganz Israel übergeben." Achtzehn Jahre nach der Heimkehr ist der Tempel vollendet und mit religiöser Feier eingeweiht. Man erwäge den Umstand; die höchste und letzte That des öffentlichen religiösen Lebens in der ersten Periode war der salomonische Tempelbau, woran Prachtliebe eben so viel Antheil hatte als religiöses Interesse,