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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1846-04-01 · 4 (April 1846) · p. Seite 124

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1846)
Issue
4 (April 1846)
Date
1846-04-01
Page
Seite 124 (sequence 6)
Language
German
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124 Die Construction der jüdischen Geschichte. Seite des Judenthums. Welche Seite es war, fallt leicht in die Augen. Es fehlen uns geschichtliche Data aus der Erilszeit, woraus wir die Ursachen des überraschenden Umschwungs im Volksbewußtsein enthüllen könnten. Wir kennen bloß den unerwarteten Effect der metamorphosirten Anschauung des Volkes, so daß wir dieses Volk, dasselbe, das den Propheten in's Gesicht sagte, „wir wollen der Himmelskönigin räuchern, denn seit wir das unterlassen, sind wir ganz heruntergekommen", gar nicht wieder erkennen. Die heidnische Naturvergöttcrung, von der sich die Masse nicht losreißen konnte, war in Folge des Exils wie weggewischt. Welchem Einfluß dieses gänzliche Verschwinden des Polytheismus aus dem Volke zuzuschreiben ist? Schwerlich konnte der sabaische Dualismus, der die kosmische Weltanschauung 31t seiner Voraussetzung hat und nicht ganz frei war von Jdolcultuö, diese Wirkung hervorgebracht und das monotheistische Bewußtsein gefördert haben. Viel naturgemäßer ist die Annahme, daß der Nachhall des Prophetenwortes, das Eintreffen des von den Propheten angedrohten Erils jetzt erst einen tiefen Eindrllck gemacht, und das Gemüth des Volkes mächtig ergriffen hat *). Hat auch das Volk aus dem Eril Elemente persischer Anschauung ausgenommen, wie die Vorstellung von Engeln — eine Accomodation der persischen Amschaspands und Jzeds an den höchst unbestimmten Begriff “|sAa der Bibel -— ferner die Vorstellung von bösen Genien vi-nv — entsprechend den Dewö aus Zoroasters Lehre —, endlich die Idee des Satan, der erst in nacherilischen Schriften.eine persönliche, dem Ahriman entlehnte Rolle spielt; so konnte doch unmöglich die Feuerreligion der Magier mit der Zwiespältigkeit der göttlichen Potenz und der ganzen Lebensanschauung gerade den echt jüdischen Gottesgedankcn dem Volke eingepragt haben! Wird ja gerade in dem zweiten Theil von Jesaia gegen die dualistische Gottesaufsassung angekampft und die judenthümliche Gottesidee dieser Anschauung schroff entgegengesetzt. „Ich der Schöpfer des Lichtes und der Erzeuger der Finsterniß, ich Schöpfer des Guten und Erzeuger des Nebels, ich Ewiger schaffe Alles dieses" (Jesaias 45, 7). Doch halten wir uns an die unleugbare Thatsache, daß in Folge des babylonischen Erils die g a nze Masse des Volkes von der reinen Gottesidee des Judenthums, von seinem die Natur überragenden Wesen durchdrungen wurde; und hiermit beginnt die zweite Periode der jüdischen Geschichte, deren Character eben ist, daß der religiöse Factor >.) Sehr treffend ist die poetische Einkleidung im Talmud, wie der Hang zum Götzendienste n-a iTTOSl sns1’ durch die Propheten gleichsam durch Erorci'Smus ausgetrieben wird (Joma 69b. Sanhedrln 64a.).

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