Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 4 (April 1846)
- Date
- 1846-04-01
- Page
- Seite 122 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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122 Die Construction der jüdischen Geschichte. auch das judäische Reich bald, durch die Coalition und Verschwägerung mit dem dem heidnischen Leben ganz ergebenen Hause Ach ab inficirt, eine Reihe von Königen aufstellte, die nur wenig den ifraelrtischen Königen nachgaben, so bildet sich, eben durch die'einreißende Gottesvergeffenheit geweckt, ein Kern im Volke aus, eine Schaar Auserwählter, die ihr Leben zum Rester des Judenthums machten und ihm die Zaübermacht des Wortes liehen.- Das Proph.etenthum, besonders das letzte, das unstreitig aus den Spaltungen der Reiche hervorging, ist das Prachtgebilde des jüdischen Geistes. Die letzten Propheten waren fortan die Träger des Religiösen im Judenthume, in ihnen fand die geoffenbarte Gottesidee ihren Interpreten, ihre Verth eidiger, ihre Lobredner, ihre würdigsten Vertreter. Die lange Reihe der vorerilischen Propheten, welche die jesajaniscke Schule eröffnete und die jeremianische beschloß, die nicht nur aus dem Priesterstamm, sondern aus der Mitte des Volkes hervorgingen, hinterließ einen mächtig anregenden Geist in ihren unsterblichen Schriften, “tn welchen Gedankenfülle mit Gelungenheit der Form sich innig verschlingen. Das Prophetenthum wurde ein Bildungsferment für die jüdische Nachwelt. In ihren prophetischen Reden wechselt Wahrheit und Dichtung, Einfachheit und Erhabenheit ab, bald rüttelten ste mit Donnerworten den abgestumpften Sinn des Volkes auf, bald beschwichtigten sie die Aufregung mit einer Herzenssprache, die Balsam von Gilead in die wunden Herzen goß. Sie malten das Bild der Zukunft aus, in welcher die Davidische Zeit des Friedens und der Intelligenz eine allgemeine werden wird; sie verkündigten den Untergang der politischen Selbstständigkeit, aber mit dem Tröste, daß, wenn auch das gegenwärtige Volk untergeht, die Gottesidee in diesen Untergang nicht mit hineingezogen werde, sondern sie werde sich ein gefügigeres, reiferes Geschlecht erziehen; sie verkündeten ferner, die judenthümliche Gottesidee, die Heilsanstalt des Judenthums, bleibe nicht auf Israel allein beschränkt, sondern werde sich über die ganze Menschheit ausdehnen; von Ferne werden alle Völker der Erde zum Zionsberg wallen; dann schwindet der Unfriede unter den Menschen und die Natur selbst wird geweiht sein, wird das Gottesbild abspiegeln. Man kann die Behauptung aufstellen, daß mit der Abnahme des politischen Moments das Religiöse einen höhern Aufschwung genommen hat,und gerade während desErilsder zehnStämme und des Unterganges Jsrael's entfaltete die religiöse Seite ihre Energie in dem prophetischen Quadriumvirate Jesaias, Hosea, Micha und Amos. Keinesweges aber beschränkten die Propheten ihr Interesse auf das Religiöse ausschließlich, sie wandten mit demselben Eifer dem Social-Po-