Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 3 (März 1846)
- Date
- 1846-03-01
- Page
- Seite 107 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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107 Bericht über Synagoge und Schule. begehrt. Diese Lehrlinge erhalten auch Unterstützungen aus Kreismitteln *). — Mit den Zeugnissen des genossenen dreijährigen Vorbereitungsunterrichts wird der Lehrling zur Prüfung an einem Seminar behufs der Aufnahme zugelaffen. Die Seminarien zu Schwabach, Bamberg, Würzburg und Kaiserslautern find durch allerhöchste Weisung von 14. Marz 1844 als diejenigen bezeichnet, in welchen Israeliten, weil fle den Religionsunterricht und die Kost bei ihren Glaubensgenossen nehmen können, ausgenommen werden, nachdem die angestellten Recherchen wegen Errichtung eines eigenen Seminars für Jsraliten zu keinem Ziele geführt hatten. — Dem Unterricht erhalten die israelitischen Seminaristen, mit Ausnahme des Religionsunterrichts, welchen fich die Rabbiner zahlen lassen1 2), unentgeltlich. Auch Stipendien erhalten sie aus Kreisfonds und hatten sich stets einer humanen Behandlung Seitens der Lehrer und eines brüderlichen Entgegenkommens Seitens ihrer Mitschüler zu erfreuen. An unseren Semmarien haben es die Dkrectoren wiederholt versichert, daß ihre israelitischen Zöglinge zu den moralischsten gehörten und ihnen hinsichtlich der so so schwierigen Handhabung der Hausordnung gar wenig zu schaffen machen. Früher wohnten sie auch in den Seminarien, was jedoch jetzt nicht mehr zugegeben wird. — Die Prüfungsgegenstände bei der Aufnahme in's Seminar sind die allgemeinen; in Musik wird jedoch nur Violinspiel und Singen nach Noten gefordert. Bei der diesjährigen Prüfung in Schwabach wurde aber auch Orgelspiel, Generalbaß rc. verlangt, weil — die Rabbiner - Versammlung in Frankfurt a. M. fich für die Zulässigkeit des Orgelspi?ls in der Synagoge ausgesprochen hatte: die Rabbiner-Versammlung, deren Besuch den baierischen Rabbinern so streng verpönt war. Finden wir hierin auch eine Absurdität, so können wir doch den Wunsch nicht bergen, daß unsere angehenden Lehrer dem Musiksache, in welchem Gegenstand sie immer die schwächsten im Seminar sind, mehr Sorgfalt widmen möchten, weil nur durch die Vereinigung der Vorsängerstellen mit den Lehrerstelten eine Verbesserung der Lage ver Lehrer und die Wiederbelebung unseres Gottesdienstes dadurch auch ermöglicht wird. Ein zweiter dringenderer Wunsch ist, daß sie sich eine größere Befähigung im hebräischen Fache angelegen sein ließen. Die früher angestellten Lehrer hatten sich ihre hebräischen, man darf sagen theologischen Kenntnisse gleichzeitig mit den angehenden Rabbinen erworben und stehen manche von ihnen vielen jungen Rabbinen hierin nicht nach, was ihrem gedeihlichen Wirken, ihrem Ansehen bei den Gemeinden gewiß nur förderlich war. Aber die spater Nachgekommenen legen hierin oft eine so auffallende wie ge^ meinschadliche Unwissenheit an den Tag, und ist es bei uns auch noch nicht, so weit gekommen, wie in einem benachbarten deutschen Staat 3), in dem die israelitischen Seminaristen systematisch Von der Kenntniß des Talmunds abgehalten werden, so darf doch bei uns auch Manches besser werden. Der Lehrer soll nicht bloß die ganze Bibel im Urtert mit ihren gewöhnlichen Commentatoren gründ- 1) Leider kam es hier, zum erstenmal vor, daß einem solchen als Israeliten eine Unterstützung verweigert worden ist. 2) Rühmlich muß erwähnt werden, daß Hr. Rabbiner Wechsler in Schwabach den dortigen Seminaristen wöchentlich 3 Stunden unentgeltlichen Unterricht ertheilt. 3) In einem benachbarten würtembergischen Orte begann ein ausgetretener Seminarist, von dem anwesenden Rabbiner zum Vorlesen aufgefoxdert, die 18. Benedictionen also: Lorucll atho J e h o v ah!