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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1846-03-01 · 3 (März 1846) · p. Seite 105

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1846)
Issue
3 (März 1846)
Date
1846-03-01
Page
Seite 105 (sequence 27)
Language
German
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Tagesbegebenheiten. 105 ein Vermögenswechsel leicht bevorstehen kann, sich verwilligen soll, manches Abschreckende. Es wurde daher von einer andern Seite vorgezogen, daß sich in jeder Gemeinde ein Verein zur Äbhülfe der traurigen Lage der russischen Juden bilden soll. Jedes dem Verein beitretende Individuum bethätigt seine Theilnahme durch einen jährlichen Beitrag; macht sich aber auch überdieß anheischig, nach Kräften einen besondern Beitrag bei der endlichen Ausführung der Colonisation zu liefern. — Vielleicht werden bei noch weiterer Erörterung sich noch andere Wege zeigen. Jede Weise, in der geleistet wird und der Eifer für Glauben und Glaubensgenossen sich kuydthut, verdient Anerkennung. — Um so mehr muß aber bedauert werden, wenn Gleichgültigkeit gegen fremde Leiden oder gar Judenfeindlichkeit entgegentreten, und das Schicksal der russischen Juden als minder bedauernswerth darstellen wollen. Mit Unwillen kann daher nur eine Korrespondenz aus Warschau in der Deutsch. Mg. Zeit, erwähnt werden, die so plump und unbeholfen abgefaßt ist, daß man die Gesinnung des Judenfeindes oder des jüdischen Denuncianten und Speichelleckers, deren es selbst unter Schulmännern und Literaten in Rußland manche gibt, nicht verkennen kann. Der Artikel beginnt mit der Lage der Juden und wendet sich Plötzlich zu dem Ukas über die Kteidertracht, bei welchem er stehen bleibt und seinem Jngrim gegen den polnischen Kaftan Luft macht. Armseliger Mann , dem der deutsche Rock die Höhe der Bildung ist, über dem jedes andere Elend vergessen werden kann, und der als Bürge der heilsamen Absichten der Regierung verkündet wird! — Eine andere Korrespondenz aus Frankfurt a. M. will ebenfalls, daß die Berichte über die russischen Juden übertrieben seien, und führt zum Beweise an, daß sie selbst nicht daran denken, auszuwandern. Was ein Zeitüngscorrespondent nicht für ein Wundermann ist! Wir glauben kaum, daß dieser Berichterstatter unmittelbare Mittheilungen von der Gesammtheit der russischen Judenschast empfangen habe, in welchen sie ihm das „Richtdenken" an eine Auswanderumg meldet. Zudem ist, so lange keine Aussicht vorhanden, daß die Auswandernden irgendwo Unterstützung und Aufnahme finden werden, es ganz natürlich, daß die Unglücklichen die bisherige Heimath, wie schrecklich sie ihnen auch immer sei, nicht verlassen. Aber es soll ihnen eine bessere Aussicht gezeigt und hierdurch auch der Wille in ihnen geweckt werden. Wenn der Correspondent weiter von einer projectirten Reise Montefiore's nach Petersburg berichtet, so dringt sich freilich die Frage auf: Wozu im voraus'dle Nachricht hiervon verbreiten? und zeigt, daß es dem ganzen Artikel nur auf ein „Zeitungsgerede", wobei es denn manchem Correspondenten weder um Auswahl noch um Gesinnung sehr zu thun ist, abgesehen war.

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