Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 3 (März 1846)
- Date
- 1846-03-01
- Page
- Seite 101 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die Rabbiner-Versammlung, wie sie sein sollte rc. 101fallenen unseres Glaubens, jene engherzige Ausschließung und Entfremdung des Fremden: sie können sich in dem neuen Lichte nicht länger behaupten. 'Ehedem waren sie zwar zum Theil anempfohlen; die Verirrung des Geistes, die Verkennung der Gottheit und die Verknechtung der Menschheit war in den Völkern incarnirt und in ihrem Leben verwachsen; die Person konnte nicht mehr von der Sache getrennt werden, der Kampf, der dieser Verirrung angekündigt war, er galt auch den Völkern, die in dieser Richtung sich gestalteten; der spätere Druck des Mittelalters drang auf eine corporative Schutznahme. Doch die Zeiten haben sich geändert; frei bewegt sich der Jude, und der Geist der Zeit arbeitet auf eine Versöhnung hin, auf eine Anerkennung des Menschlichen im Menschen. Die Feindschaft kann nicht mehr den Nationen und Völkern wie ehedem gelten, denn sie sind nicht mehr die Repräsentanten der Verirrung. Es ist nun nicht mehr nöthig, die heiligen Institutionen dahin zu verwenden, dem Judenthume seine äußerliche Existenz zu erhalten, um in dieser das Geistige zu schützen; sie sind vielmehr auf ihre ursprüngliche Bedeutung zu setzen. Sie sollen nicht ein Mittel der Existenz, sondern ein Ausdruck des lebendigen Geistes sein. In ihnen soll der Jude sich nicht abschließen gegen das Fremde, um ihrethalben nicht Abneigung und Haß heraufbeschwören, sondern mit ihnen sich der Welt wiedergeben, sie für die Welt auffassen und diese für sie gewinnen; und kommen auch Abweichungen im Einzelnen vor, so der Geist anderer Art erhalten ist, so sollen sie nicht Gegenstand des Haders tperden, vielmehr in und trotz dieser Verschiedenheit ein neues Band der Liebe sich winden. Das sei die Aufgabe, die zu lösen ist, und das muß gefördert werden. Das alte Vorurtheil, das die Satzungen als nothwendige Postulate der Gottesverehrung setzt, in dem Sinne, als wenn Gott ihrer bedürfe, gleich dem Cultus der heidnischen Gottheiten, muß bekämpft und beseitigt werden. Die Ccremonien unseres Glaubens sind nichts als Erinnerungsmittel für die Versittlichung des Menschen; sie erzielen die Heiligung des Lebens, und fördern die Gottes-Verehrung. Sie sind allesammt weise berechnet, und tragen zusammt zu diesem großen Ziele bei. Fallen indessen einige dieser Satzungen mnd finden keine Anwendung, so ist darum doch der Geist des Judenthums nicht gefährdet, wie sich dieses nach der Zerstörung des Tempels deutlich erwies; und darum darf der Haß auch nicht rege werden über diese Gottlosigkeit; dadurch hören die Abweichenden nicht auf, zu uns zu gehören und unsere Brüder zu sein. Mag auch der Abfall uns schmerzen, die Mißachtung der einzelnen religiösen Pflichten uns berüben, wir betrachten die Abgefallenen doch nicht für verloren und ausgeschieden. Die Ceremonien haben im Judenthume anundfürsich