Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1846-03-01 · 3 (März 1846) · p. Seite 98

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1846)
Issue
3 (März 1846)
Date
1846-03-01
Page
Seite 98 (sequence 20)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2744856-2744883-2744887--1040-2746005
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

98 Die Rabbiner-Versammlung, wie sie fein sollte k. und daß man über sie gern beruhigt sein möchte. Da wird dann die, Versammlung mit der Drohung angegangen, falls sie sich .nicht entschließt und nachgibt,- so würde man sich noch mehr entfernen, und sich gänzlich vom Judenthume abwenden. Auf solche unwürdige Drohungen ist sie nicht berufen zu antworten; die Fragen sind an sich unsinnig. Die Rabbiner können nicht binden und lösen, das wissen die gescheidt Fragenden bei sich selbst; wenn sie auch die Sünden emancipiren, kann das Gewissen sich noch keinesweges dabei beruhigt fühlen. Scheinen die Speisegesetze und die Sabbatruhe den Fragenden von solch religiöser Bedeutung, daß sie durch deren Verletzung sich beunruhigt fühlen, so werden sie doch durch die Aussprüche einzelner Man-, ner oder einer Versammlung ernsthaft und wahrhaftig vor Gott sich nicht beruhigt fühlen können; sie müssen vielmehr durch die Erlaubniß innerlich empört sein. Sind diese Ceremonien in der That aber ihnen nicht so heilig, und könnten sie mit dem durch die Androhung ihres gänzlichen Ausscheidens oder eines eintretenden JndifferentiSmus erzielten Gutheißen sich wirklich befriedigt halten, dann sind ihnen die Gesetze sicher nicht mehr göttlicher Natur, und sie müssen über die ehrlichen Mienen der einfältigen Rabbiner, welche etwas ihnen erlauben, worüber sie längst nicht mehr sich gekümmert, recht herzlich lachen. Die Tendenz eines solchen Antrages tragt sicher keinen religiösen Charakter und ist nur auf Eclat berechnet. Es ist hier nichts weiter als Schaustellung zu bemerken. Die Zeit jenes religiösen Nihilismus, in der man sich rühmte, aus Religion keiner Religion anzuhören, ist vorüber; man will eines bestimmten positiven Glaubens sein, aber man will sich für diese Herablassung auch dessen nicht zu schämen nöthig haben; bei diesen für unschön gefundenen Ceremonien aber, denen noch ein großer Theil der Glaubensgenossen mit blinder Halsstarrigkeit anhangt, hatte man allen Grund dazu. Man will ferner, daß das Glaubensbekcnntniß vor der Welt, und dazu gehören auch die eigenen Kinder, das ganze unparteiische Publicum, nichts entfalte, was nicht übereinstimmend wäre mit den Grundsätzen des Lichtes; er soll ein positiver Glaube sein, an dem aber der nicht zur Confession Gehörende nichts zu mäkeln finde, und dem für das nachsichtsvolle Ausdauern in demselben man nicht noch größere Opfer zu bringen benöthigt sei. Zu diesem Ende werden Reformen verlangt und über die Abstellung mancher Einrichtungen Fragen vorgelegt. Eine Rabbiner-Versammlung hat auf dergleichen Fragen und Vorlagen keine Antwort zu crtheilen, .sie weist sie von sich zurück. Sie kann nur das Religiöse wahren wollen; zu eitlen Demonstrationen, zu persönlichen Wünschen und zu unmotivirten Verhandlungen kann sie sich nicht hergeben.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.