Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 3 (März 1846)
- Date
- 1846-03-01
- Page
- Seite 96 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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98 DLe Construction der jüdischen Geschichte. dichtende jüdische Nachwelt, eine Frühlingsblüthe von echt jüdischem Geiste hervorgetrieben, aber dennoch bald geknickt und verwelkt, durch die Ungunst der rauhen Umgebung. Wie gering dieser Einfluß auf Volksleben war, und wie wenig das Volk diesen frischen Geist zu würdigen verstand, beweist am kräftigsten das zerrüttete Verhältnis: in des Dichterkönigs eigenem Hause. Unzucht, Brudermord, Verschwörung gegen den Vater und König bilden den tragischen Faden, der sich, durch David's Leben hindurchziehet und noch sein Alter bedrohte,, und das Volk bot dazu willig die Hand. — Aber um so vollständiger war die politische Reife des Volkes gediehen, der Bildungsproceß von der zersplitterten Stanunesverfassung in das einheitliche Volksleben wurde in David's Zeit beendet, und dieses durchdringende Bewußtsein einer Volkseinheit spricht sich in Joab's Heldenworten aus: „Laßt uns Muth fassen für unser Volk und für die Städte unseres Gottes." Diese Höhe des politischen Bewußtseins steigerte sich noch mehr unter seines Sohnes, des Philosophenkönigs, Glanzregierung. Aber die zunehmende Macht und das Ansehen nach Außen eröffnete fremden Einflüssen einen Canal und reißt das Judenthum aus seiner Jsolirtheit heraus, die für die Entwickelung und Bewahrheitung des ihm innewohnenden Geistes so erprießlich ist: der Wohlstand geht in Luxus über und erzeugt Unsitte, der Umschau unter den Völkern erweckt die Reflexion auf Kosten der religiösen Innigkeit. — Wohl gewinnt das religiöse Moment unendlich viel durch die Centralisation des Cultus. Die Zersplitterung des religiösen Interesses durch die Bamah's hat nun ein Ende. Der König weiht den Tempel ein und spricht in dieser Einweihungsrede einen kosmopolitischen Gedanken aus; die religiöse Poesie, ausgeprägt in den beiden Dichtungsgattungen des Psalms und des Maschal, feierte ihre Blüthezeit. Aber nirgends zeigen sich in der Salomonischen Zeit Spuren des religiösen Gedankens im Volksleben, der vom Tempel ausstrahlende Glanz fesselte und blendete mehr das Volk, als daß er es erleuchtete und erwärmte. Nur die Levitenschaar lebte sich immer tiefer in die judenthümliche Idee hinein, und diese weckte ihre Künstlernatur zum lyrischen Aushauch der Psalmen. Die Tempelhymnen und die Blüthe des Maschal fallen in diese Geschichtsphase, die eine Gattung von den Korachiden, die andere von dem König .selbst angebaut. Auch in der eigenthümlichen Gestaltung der jüdischen Poesie, die in dem heidnischen Griechenthum Analogieen hat, manjfestirt sich die Grunddiffereuz zwischen der jüdischen und heidnischen Anschauungsweise. Der künstlerische Sinn der Griechen, die ihre Geschichte als ihre spontane Selbstthat wissen, umschafft die geschichtlichen Thaten poetisch in Epos und Drama. Das Product des poetischen