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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1846-03-01 · 3 (März 1846) · p. Seite 95

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1846)
Issue
3 (März 1846)
Date
1846-03-01
Page
Seite 95 (sequence 17)
Language
German
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Die Constrnctiou der jüdischen Geschichte. 95 strten Verfassung. — Der religiöse Charakter in diesem Stadium ist auch ganz äußerlich und nimmt wohl an Extensivität zu, aber keinesweges an Jntenstvität. Der Opfercultus wird in Schiloh fortgesetzt, und die Priester, zugleich mit volksrichterlichem Charakter, geben zu mancher Klage Anlaß. Die Bundeslade wird nicht als Behältniß der Gotteslehre betrachtet, sondern als Palladium fast götzendienerisch verehrt. Der S e h er wird bei kleinlichen häuslichen Anlässen als Orakel befragt und soll über verlorene Eselinnen Auskunft geben. Nur der L evitenstamm, der von Hause aus die Function erhalten hatte, die Gotteslehre vom Cultuspuncte aus dem Volke zuzuführen und das verknüpfende Band zwischen Priesterthum und Volk zu bilden, scheint die Gottesidee lebendig im Bewußtsein getragen zu haben; in Samuel und seiner Prophetenschule mindestens zeigt sich eine Höhe jüdischer Ueberzeugungen. Ausdieser Schule ging der Psalmsänger A ssa f hervor, der wohl diese Dichtungsgattung geschaffen und dem königlichen Sänger als Muster gedient haben mochte. Affaf ist älter als David und seine Psalmen behandeln vordavidi sche geschichtliche Interessen. Auch eine leichte anmuthige Prosa scheint diese Schule angebaut und ausgebildet zu haben, und in diese Zeit fällt das erste Glied der langen Reihe historischer Darstelluygen in dem ebenmäßigsten, feinsten Style, die der hebräischen Sprache eben so. viel Innigkeit als Gewandtheit verliehen haben. —Es scheint auf den ersten Blick, als wenn unter David's Scepter das religiöse Moment mehr zur Geltung gekommen wäre, und mit der Consolidirung und Sicherung des Staatslebens, mit der imposanten Stellung, die dasselbe durch die monarchische Verfassung auch nach Außen erlangt hatte, auch das religiöse Interesse einen höhern Aufschwung genommen und eine eindringlichere Macht über die Gemüther gewonnen hätte. Und in der That David's vorherrschende religiöse Individualität, seine weichere Gemüthsstimmung, seine zartbesaitete Dichterseele mochte wohl geeignet sein, in seinem Einzelleben die Einheit des Socialen und Religiösen in ihrer Durchdringung zu reflectiren. Er unterjochte mit dem Schwerte die gefährlichen Nachbarn und sang auf Kinor und Nablium die fchwungreichsten Hymnen, er sorgte für die leibliche Wohlfahrt des Volkes für einen blühenden Zustand, und legte gleichzeitig den Grundstein zu einem centralen Aufbau des religiösen Lebens. So bleibtauch dieDavid'sche Zeit, wo die Doppelseite des Judenthums in einer Individualität wenigstens zur Erscheinung gekommen, dev Höhepunkt der Geschichte, das Ideal für alle nachfolgenden Generationen, die liebliche Erinnerung, welche in den 'Dichtern und Propheten die sanftesten Accorde hervorgerufen haben. Die Davidische Zeit bildet die Classicität für die religiöse und

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