Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 3 (März 1846)
- Date
- 1846-03-01
- Page
- Seite 94 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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94 Die Construction der jüdischen Geschichte. bare Hülfe. Der griechische Herakles ist ein Halbgott und vollführt die Hekdenarbeiten vermöge der ihm innewohnenden Göttlichkeit; Simson, der jüdische Herakles, ist nur im Stande die Heldenthaten zu vollbringen vermöge des auf ihm ruhenden Gottesgeistes, äußerlich geknüpft an seinen nasiraischen Haarwuchs, und zu seiner letzten Heldenthat, in der er den Tod findet, muß er sich Kräftigung von Gott erflehen. So geht selbst das volle geschichtliche Leben des Heroismus nicht aus der Spontaneität des Helden hervor, sondern wird von Gott erzielt. Dieses'Bewußtsein lebte im Volke und dieses Moment ist der dünne Faden des religiösen Factors, der sich durch diese Geschichtsphase durchzieht. Zweite Phase. Die politische Seite nimmt noch die ganze Breite der Geschichte ein, aber die religiöse Seite kommt schon zur Geltung. Sie beginnt mit dem letzten Richter, dem Levitenpropheten Samuel. —'Das Volk, durch die Stammesrivalität und innere Zerrissen-.. heit aller Selbstständigkeit beraubt, gewahrt den Mangel an Einheit in seinem Staatsleben, es suchte diese Einheit in dem Königthume zu erlangen; es hatte sich bereits in fremden Kreisen umgesehen und bei allen Völkern einen irdischen König statt eines himmlischen gefunden: es verlangt von Samuel einen König, der es anführen soll, wie ihn alle Völker haben. Zn diesem Verlangen verrieth sich die bodenlose Kluft zwischen der Wirklichkeit des Volkes und seiner idealen Bestimmung. Anstatt daß die Gottesidee mit ihren Conseguenzen die Basis des Staatslebens sein und die staatliche Einheit mit der göttlichen zufammenfallen sollte, zeigte sich das Volk so wenig von der Idee berührt, daß es eine allgewaltige irdische Macht zwischen sich und seinem Gott eingeschoben wünschte. Der viel verkannte Samuel, in dessen Thun der feinnasige Rationalismus Hierarchischen Ehrgeiz und priesterlichen Uebermuth witterte, erkannte tief den breitenRiß, der in deinzartgewehten Organismus des Judenthums durch das Hineinziehen eines fremdett störenden Elements einzutreten drohte, der Prophet von Ramah, der bis in sein hohes Alter für die relig iöse Volkseinheit rang, hielt diesen Abfall von der ewigen Idee mit deutlichen scharfen Worten dem Volke vor. Vergebens. Ein König wurde erloost. Vergebens war auch die Bemühung dieses nächst Moscheh gestellten Propheten den absoluten Königswillen, die monarchische Gewalt der göttlichen Willensbestimmung zu unterwerfen und solchergestalt diese störend einwirkende Potenz zu neutralistren. Sauls Eifersüchtelei auf den hoffnungsvollen, schönen Hirtenknaben David, seine in Wahnsinn ausartende Hypochondrie verrückten alle Chancen, blutige Verbrechen an den die religiöse Idee vertretenden Priestern waren die Folgender monarchisch organi-