Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 3 (März 1846)
- Date
- 1846-03-01
- Page
- Seite 93 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Construction der jüdischen Geschichte. 93 Erste Phase. Im Vordergrund der Geschichte steht der politischsociale Factor, das religiöse Moment ist ganz in den Hintergmnd geschoben. — Die Stämme, denen das Land durch Josua vertheilt wurde, die aber fremde Elemente in nachbarlicher Berührung neben sich duldeten, nehmen an den natürlichen Interessen des Lebens einen lebendigen ausschließlichen Antheil, treten mit den zurückgebliebenen, in Unstttlichkeit und groben Naturcultus versunkenen Chananitern in verwandtschaftliche Verbindung und verlieren solchergestalt den Schwerpunct ihres Daseins. Sie fallen von ihrer eigenen Idee ab, und mit diesem Abfall tritt auch Schwache in dem ohnehin noch nicht befestigten Staatsbau ein, die einzelnen Glieder fliegen wie Atome aus einander, es lockert sich das Band, das die Stämme zu einem Ganzen verknüpfen soll, und leicht wird es den Nachbarn die zersplitterten Stämme einzeln zu unterwerfen. Wenn aber die Schmach und die Unterdrückung den höchsten Grad erreicht hat, wenn sie die Grenze der Erträglichkeit überschreitet, tritt eine Reaktion ein, angeregt durch ein heldenmüthiges Individuum, in dem das ursprüngliche Gvttesbewußtsein nicht ganz erloschen ist. Der Held wendet für den Augenblick die Gefahr ab, weist auf die wirkende Ursache des Verfalls hin, das Volk kehrt zu seinem Gotte zurück, und der Held ziehet sich wieder spurlos in den Hintergrund zurück. Das ist der Typus der R i ch t e r z e i t, die dem heroischen Zeitalter in der Volksorganisation entspricht. — Das gesetzliche Leben bewegt sich in dieser Schoftimzeit nicht in gerader Linie, sondern springt von Punct zu Punct. — Doch so dürftig auch das religiöse Leben in diesem Stadium erscheint, das noch nicht von dem Stiftszelte, von den opfernden Priestern losgelöst ist, und das-Volk leicht von dem unzüchtigen Baal- und Astarte-Eultus zu seinem eigenen Cultus hin- und herspringen konnte, ohne auch nur in geringsten seine Lebensweise zu verändern; so war das religiöse Moment doch nicht ganz null, ünd es gab sich hierin auch die Differenz zwischen dem Heidenthum und Judenthum, zwischen dem Naturcultus und der Geistesreligion kund. Die Helden anderer Völker, denen die Schostim doch so sehr entsprechen, unterscheiden sich eben in einem wesentlichen Puncte. Der Heros der heidnischen Volksentwickelung weiß die That als seine eigenste Selbstthat, er kann sich deren rühmen und auch das Volk erkennt die Heldenthat an, zollt ihr Bewunderung, preist sie und hört sie gern preisen. Der jüdische Schofet hingegen tritt von seiner eigenen That zurück, er ist von dem Bewußtsein durchdmngen, daß. die Rettung des Volkes nicht eigener Thatkrast entsprungen ist, sondern von Gottes allmächtigem Arme herbeigeführt wurde. Die Dichterin Debora besingt nicht Baraks Heldenmuth, sondern Gottes wunder-