Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 3 (März 1846)
- Date
- 1846-03-01
- Page
- Seite 89 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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89 Die Construction der jüdische« Geschichte. len Wohles Jsrael's. Die Thora, die israelitische Nation und das heilige Land stehen in einem, ich möchte sagen, magischen Rapport, sie sind durch ein unsichtbares Band unzertrennlich verknüpft. Das Juden- ( thum ohne den festen Boden des Staatslebens gleicht einem innerlich j ausgehöhlten, halbentwurzelten Baume, der nur noch in seiner Krone ' Laub treibt, aber nicht mehr im Stande ist Aeste und Zweige schießen zu lassen. — Ihr könnt des Judenthum einem Sublimirungsproceß unterwerfen, aus der Fülle seines Inhalts moderne Gedanken ertrahircn und diesen Ertract mit betäubendem Wortgeklingel, mit brillanten Stichwörtern als den eigentlichen Kern des Judenthums ausposaunen, ihr mögt für dieses sublimirte, idealistrte Judenthum ln nuce eine Kirche erbauen und ein Glaubensbekenntniß votiren; so habt ihr doch nur einen Schatten umarmt und die trockene Hülse für die saftige Frucht genommen. Ihr besitzt weder das Judenthum, wie es die Schrift in unzweideutigen Buchstaben lehrt, noch das Judenthum, wie es die dreitausendjährige Geschichte ausgeprägt, noch endlich das Judenthum, wie es noch in der Neberzeugung der Majorität seiner Bekenner unerschütterlich lebt^. I) Wenn der Herr Verfasser in seinem lebhaften Ideengange die Behauptung, die monotheistische Idee sei das primäre Princip des Judenthums, eine irrthümliche nennt und fie nur als secundare Consequenz der überweltlichen Gottesidee angesehen wissen will (S. 87), so mag freilich Manches der Skizze, die nur in kurzen Umrissen verzeichnen kann, zu Gute gehalten werden- Daß der Monotheismus das primäre Princip des Judenthums ist, sagt wie wir glauben deutlich genug das erste der Zehngebote und das andere ihm gleichkommende große Wort: „Höre, Israel! der Ewige unser Gott ist ein einziger Gott!" Eine subjective Anschauung und Auffassung darf nie in der Weise hypostastrt werden, daß was durch Jahrtausende als Träger des Glaubens von den frömmsten und weisesten Männern betrachtet wurde, mit dem Namen Jrrthum bezeichnet werde: eine Hypostase, in der zwar Steinheim voranging, die aber um so weniger nachgeahmt werden soll, als, wie dieser Koryphäe zeigt, fie unter der Form des innigsten Festhaltens an der Offenbarung diese völlig unterminirt und fie der Willkür preisgibt. Unser Vers, dürste hierin irren, daß er von primär und secundar spricht, wo fich im Grunde nur ein unzertheilbarer Begriff findet. Wo die Gottheit nicht immanent, nicht als sublimirte Personification der Naturkraste erscheint, ist die Einheit von dem Wesen Gottes unzertrennbar, ' so wie in dem Begriffe eines einzigen Gottes auch schon die Außerweltlichkeit ausgesprochen ist. Die Erhabenheit der Idee stellt sich aber zunächst in der „Einheit Gottes" dar, die als Gegensatz zu der Vervielfachung unmittelbarer vor die geistige Vorstellung tritt als der Gegensatz der außerweltlichen göttlichen Substanz zum Pantheismus. Auch, die heidnische Welt war nach und nach aus diesem heraüsgegangen und hatte vergessen, daß ihr Cültus ursprünglich den vergötterten Naturkraften galt. Daß ein Gott sei, brauchte das Judenthum bei seinem Eintritt nicht zu verkünden; aber .daß nur ein Gott sei, dieses war sein eigentliches Princip; und hieran knüpft fich die erhabenste und edelste Er-