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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1846-03-01 · 3 (März 1846) · p. Seite 86

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1846)
Issue
3 (März 1846)
Date
1846-03-01
Page
Seite 86 (sequence 8)
Language
German
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§6 Die C««stniction der jüdischen Geschichte. festationen des Naturlebens, ja wo dieses in augenfälliger Erscheinung sich als wirksame Potenz erwies, mußte es geradezu als unberechtigt, als unheilig, als nichtig zurückgedrängt werden. Eine bedeutende Anzahl der gesetzlichen Bestimmungen des Judenthums tragen diesen negirenden Charakter an sich und sollen die Untergeordnxtheit des natürlichen Seins verlebendigen. Das natürliche Leben, vorzüglich dasjenige, was in dm menschlichen Kreis gezogm, was gar von dem mmschlichm Organismus ausgenommen und assimilirt werden soll, muß daher gleichsam vorher einem Weihproceß unterworfen werden. Diese Grunddifferenz in der Auffassung des Göttlichen läßt sich noch weiter sortsetzen. Dem Heiden erscheint das Göttliche innerhalb der Natur in der Form der Anschauung durch das Medium des Auges, es kommt ihm als ein Angefchautes zum Bewußtsein. Dem Juden hingegen, der das Göttliche jenseits der Natur außerhalb und vor derselben weiß, offenbart es sich durch Kundgebung seines Willens, durch das Medium des Ohres, und das menschliche Subject bringt sich das Göttliche herrschend und gehorchend zum Bewußtsein. Das Heidenthum schaut seinen Gott, das Judmthum hört ihn, d.h. vernimmt seine Willensbestimmung. Bon der Anschauung bis zur nachahmenden Darstellung ist nur ein Schritt; und der heidnische Jdolcultus ist eine eben so natürliche Consequenz des heidmthümlichen Gottesbegriffes, als es dem Judenthum ftemd sein mußte, das Göttliche,- „das keine Gestalt hat", in ein Bild zu fassen. — Aber auch die Kunstgattung gestaltete sich nach dem verschiedenen Gottesbewußtsein verschieden. Die künstlerische Begattung erzeigte in dem griechischen Heidenthum, der sinnlichen Gottesanschauung gemäß, die Plastik, die reizende, duftende Blüthe der heidnische Anschauungsweise. Im Judenthum hingegen, das seinen Gott in den Wellenbewegungen der sich wechselweise hebenden und senkenden Töne, in dem Rhythmus des Wortklanges vernimmt, erzeugte der Kunftdrang die dem Gottesbewußtsein entsprechende Tonkunst, verbunden mit der religiösen Poesie. Aber selbst in der speciellen Gestaltung der Dichtungsgattungen manifestirt sich die tiefe Differenz des heidnischen und jüdischen Geistes,, das aber erst später entwickelt werden kann, — Es wäre überflüssig, diesen Gesichtspunkt noch mehr zu beleuchten, die ganze Anlage des JudenthumS spricht zu sehr dafür; die scharfe Opposition des Judenthums gegen das in Götzenanbetung und in Unzucht versunkene Heidenthum, wodurch es sich auf den ersten Blick characteristrt, ist eben weiter nichts Anders, als der breite Gegensatz der Geistesreligion gegen die Naturreligion, der göttlichen Trallscendenz gegen die Immanenz. — Aus dieser vorläufigen

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