Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 3 (März 1846)
- Date
- 1846-03-01
- Page
- Seite 85 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2744856-2744883-2744887--1027-2745992- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Conßruction der jüdischen Geschichte. 85 einer weitläufigen komparativen Gegenüberstellung der beiderseitigen Dogmen, etwa das jüdische para »■< dem heidnisch-metaphysischen „ex riihilo nihil“ und die anderen dogmatischen Differenzen, die Steinh eim in seinem trefflichen Buche „die Offenb arung ", das einen schönen Beitrag zur philosophischen Erfassung des Judenthums liefert, mit schlagender Schärfe hat confrontiren lassen. Schon der erste Blick verrath den himmelweitenContrast: Heidenthum und Judenthum bilden denselben Gegensatz wie Natur und Geist. Das Heidenthum hat die Natur in ihrem weitesten Begriffe als immanent wirkende Allkraft zu seiner Voraussetzung und Bedingung, das heidnische Gottesbewußtsein fallt mit der Natur zusammen. Der heidnische Gott, selbst in der ausgebildetesten Dignität, auf der Stufe, wo er die Thier- und Pflanzenform abstreift und sich humani sirt, selbst in der hellenischen Anschauung, wo der Kunstsinn die Religion unterstützte und die olympischen Bewohner zur Idealität verklärte, — der heidnische Gott blieb zu allen Zeiten die idealisirte Natur. Die heidnischen Unsterblichen fallen der Nothwendigkeit so gut anheim wie die sterblichen Menschen, das allgewaltige Naturgesetz ist auch für die Götter eine zwingende Macht, und Tyche — die blind waltende Göttin — ist der Götter und Menschen Beherrscherin. Ohne mich hier bei dem Puncte lange aufzuhalten, daß die nothwendige Consequenz dieses heidnischen Gottesbegriffes die sittliche Unfreiheit war, und die menschliche That, gut oder böse, wohlthätig oder verderblich wirkend, als eine Nothwendigkeit, wie das Naturgesetz, betrachtet wurde, durch das Fatum unabänderlich prädestinirt: so wollen wir sofort die Kehrseite des Heidenthums, das Judenthm in's Auge fassen. Hier ist Gott das allein Berechtigte, das allein Bestimmende, die Selbstbe- . stimmung. Das Natürliche und Göttliche fallen aus einander, ja die Natur ist Gott gegenüber Nichts, die erst durch die göttliche Willensbestimmung, durch den freien Act der Schöpfung zur Existenz gebracht wird, aber für alle Zeiten von dem Hauche Gottes Leben und Dauer empfängt und von ihm wieder in Nichts aufgehoben werden kann. Die Gottesidee bildet daher die Spitze des judenthümlichen Lebens, alle Thätigkeit, alle Interessen müssen gleichsam in den Rahmen des Göttlichen geschlossen werden, die erst durch diese Prägung ihre Werthschätzung erhalten. Das jüdische Leben in seinem ganzen Umfange wird von der göttlichen Glorie umstrahlt, empfängt erst Reiz, wenn der Gottesgeist darüber ausgegossen wird. Sittliche Freiheit, freigeistige Selbstbestimmung ist daher die nächste Consequenz des jüdischen Princips. Nichts erscheint in der jüdischen Anschauungsweise so sehr als ein Greuel, als eben die göttliche Verehrung, gezollt den Mani-