Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 3 (März 1846)
- Date
- 1846-03-01
- Page
- Seite 84 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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$4 Die Construction der jüdischen Geschichte. schichte hierdurch bewegt, so ist auch anzunehmen, daß alle die realen Gestaltungen, die zur Existenz gelangt sind, eben von Hause aus in ihr gelegen haben. Denn die Geschichte zeitigt eben nur die Keime der Idee, und die Mannigfaltigkeit der Formen, in denen sich die Geschichte gefällt, sind eben nur concret gewordene Momente der Idee. Diese ThatIchen der noch jungen Wissenschaft: Philosophie der Geschichte, — hier weitläufig zu erörtern ist nicht unsere Sache. Die Thatsache aber kann bis zur Evidenz bewiesen werden, daß die jüdische Geschichte in allen ihren Phasen, selbst in den scheinbarewJrrgängen des Zufälligen, eine einheitliche Idee verstchtbart, daß sie eben die reale Explikation eines Grundbegriffs bildet. Ueberschaut man die jüdische Geschichte, sowohl ihre aktive wie ihre passive Seite, nach großen Kategorien, hält man die natürlichen Knotenpunkte fest, die sie in ihrem Verlaufe abgesetzt, hülst man gleichsam aus den Facta die treibenden Gedanken aus, so hat man eben die Momente, die sie in's Leben gesetzt, so hat man die Keime, welche die Idee des Judenthums virtuell in ihrem Schooße getragen. Wir wollen diese Methode versuchen und auf diesem Wege zugleich den Versuch machen, die jüdische Geschichte begrifflich zu construiren. Das Judenthum stellt sich bei seinem Eintritt in die Geschichte als Negation dar, es negirt das Heidenthum, es tritt gleichsam als Protestantismus auf. Diese Wahrheit hat bereits Maimuni aufgestellt, nur blieb er bei der Oberflächlichkeit dieses Gedankens stehen. Er faßte das Heidenthum in seiner nackten Aeußerlichkeit, in der konkreten Manifestation seines Wesens und stellte das Judenthum, eben auf ganz äußerliche Weise, als Opposition gegen dasselbe, besonders gegen den obscönen Cultus des Heidenthnms gegenüber. Bekannt ist Maimuni's höchst oberflächliche Auffassung der judenthümlichen Opfergesetze. Allein selbst den Extravaganzen des Heidenthums, seinen grellen, oft die Sittlichkeit beleidigenden Institutionen liegt ein Gedanke zu Grunde, alle Manifestationen des heidenthümlichen Lebens müssen sich in einer Grundidee zusammenfassen lassen, und eben zur Negation dieser Idee ist das Judenthum berufen; es sollte eben die Nichtigkeit des Heidenthums für die Wahrheit und seine Schädlichkeit für die ethischen Verhältnisse . der Gesellschaft im geschloffenen Kreisenicht in theoretischer Manier der Schule, sondern auf thatsachliche, eklatantere Weise des Lebens negiren. Die Grundidee des Judenthums kann solchergestalt schon vorweg gefunden werden, wenn der Differezpunct zwischen Heidenthum und Judenthum unverrückbar firirt werden kann. Nun ist nichts leichter, als die Grenzscheide anzugeben, welche diese beiden Religionsformen trennt, und man bedarf hierzu nicht einmal