Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 2 (Februar 1846)
- Date
- 1846-02-01
- Page
- Seite 42 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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42 Zur Geschichte jüdischer Zustande in der pz-renaischen Halbinsel rc. des christlichen Standpunktes steht, ist denn in der That die sittliche, wissenschaftliche, politische Lage der Welt in den fünf Jahrhunderten nach Entstehen des Christenthums derjenigen in den fünf Jahrhunderten vorher so bedeutend vorzuziehen? Oder wo zeigt sich denn der außerordentlich wohlthatige Einfluß, den — wie wir hören — die Verbreitung der christlichen Religion gehabt, auch noch nach fünfzehn Jahrhunderten, nachdem jede Spur eines ehemaligen Heidenthums vertilgt war? Zeigte er sich in den Ursitzen des Christenthums, Syrien, Aegypten, Byzanz? In den Concilien, deren dogmatische Streitfragen der Welt das noch nie dagewesene Schauspiel eines Religionseides eröffneten? In den Kämpfen des abendländischen Und des morgenländischen Bischofs, und in den Bannstrahlen, die sie gegen einander und gegen die geheiligten Häupter der ihnen nicht sklavisch ergebenen Fürsten schleuderten? Oder an den Höfen der fränkischen Könige, die -^- verweichlichte, entartete Sprösslinge eines alten Heldenstammes tdas Christenthum nur angenommen zu haben schienen, um den Namen „Christ" durch Greuel zu schänden, wie sie zu keiner Zeit und von keinem Volke überboten werden können? Oder in den Heerlagern des gewaltigen Kaisers-, der kalten Blutes 5000 tapfere, aber wehrlose Gefangene schlachten liess, weil deren Landsleute ihr Vaterland vertheidigt? Oder auf den Zügen der mit dem heiligen. Zeichen geschmückten Krieger, denen die kaum vergessenen Horden der Hunnen und Magyaren als Muster gedient zu haben scheinen? Man beschuldige uns nicht eines leidenschaftlichen Hasses g^en eine, großartiger Züge nicht entbehrende Vergangenheit, am wenigsten einer Verkennung erhabener und heiliger Lehre«, welche die Stifter des Christenthums — wenn auch nicht zuerst — ausgesprochen haben; man glaube nicht, dass wir den unsäglichen Jammer, den das europäische Mittelalter gezeugt, dem Ehristenthume als solchen zur Last legen wollten, da unstreitig ein grosser Theil einer Verkennung oder Ausartung der christlichen Lehren zuzuschreiben ist. Aber man erlaube uns, einzusehen, dass das Christenthum ohne die Wirkung auf die Geschichte geblieben, die man ihm gern vindiciren möchte; man verschließe die Augen nicht davor, daß der sittliche, wissenschaftliche und politische Zustand der heidnischen Bewohner Italiens und Griechenlands vor 2000 Jahren dem heutigen der christlichen Bewohner vorzuziehen ist; dass ebenfalls der moralische Znstand der Germanen zu Cäsar's Zeit dem der Deutschen im 14. Jahrhundert mindestens nicht nachsteht, und daß das, was die neuere Zeit zu dem gemacht, was st« ist, nur das Zurückkehren zu dem klassischen Alterthume war. Der Gewinn, den die Menschheit durch die Ausbreitung der christlichen und muhamedanischen Religion gemacht, ist selbst von einem MaiMoni-