Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 1 (Januar 1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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34 Allgemeine theologische Bibliographie. Im Allgemeinen sind diese drei Erzählungen , wie schon gesagt, recht geeignet, sowohl mit den inneren und äußeren Verhältnissen des jüdischen Volkslebens bekannt zu machen, als auch besonders jene unedle, falsche Scham und vornehme Gleichgültigkeit zu vermindern und dagegen Religiosität und rege Theilnahme an den Schicksalen der Glaubensgenossen unter Juden zu verbreiten. Nur läßt die Ausführung der behandelten Themata, sowie bisweilen die Ausdrucksweise, die poetischen Anforderungen betreffend, zumal für den Kreis von Leserinnen, die der Verfasser im Auge zu haben scheint, Manches zu wünschen übrig. Der Zweck des Verfassers, das prodesse, tritt zu sehr in den Vordergrund und verdrängt etwas den Zweck der Leser und besonders der Leserinnen, das deleetare. Unstreitig aber können .sich die güten Lehren nur durch anziehende Behandlung und geschmackvolle äußere Form der Erzählung Eingang verschaffen. Auch dürfte die alte Zeit sich bei den Schilderungen des Verfassers über Beeinträchtigung zu beklagen haben, daß er nämlich der drolligen Figur des Rebbe Täfele in der zweiten, und der widerwärtigen des Rabbiners Rabbi Jechiel in der ersten Erzählung keine würdige Gestalt aus der alten Zeit entgegensetzte. Wir fügen nun noch Einiges über die einzelnen Erzählungen hinzu. Die gelungenste unter den Erzählungen scheint uns die erste: „das Erziehungs-Institut zu Steifenau (Nissan)", wo der Verfasser so recht in seinem essai ist, und uns viel Gutes und Beherzigenswerthes über jüdische Erziehung und Erziehungsanstalten sagt. Wir wissen dem Verfasser, der sich in der Vorrede wegen feiner angebrachten vielen Bemerkungen über die Erziehung entschuldigen zu müssen glaubt, nur Dank dafür, da diese eben so treffend als geschickt eingestreut sind, zudem gerade die Haltung dieser Erzählung am meisten dem Tone entspricht, den man von ihr erwartet. Treffend ist auch die Schilderung des Gabriel Basch in derselben. Am wenigsten gelungen finden wir die zweite Erzählung: „Götz Silber (Ijar)." Es mögen die Charaktere wohl getroffen sein, allein das Ganze ist — man verzeihe den Ausdruck — etwas plump angelegt, ohne interessante Verwickelung, und unvermerkt scheint sich der Erzählung etwas von dem getadelten jüdischen Gepräge mitgetheilt zu haben, wie schon die Aufschriften in den einzelnen Abschnitten zeigen: 1. „Wie kommt Eisen zu Silber!" — 9. „Silber kommt zu Eisen!" So ist die Hiobsgeschichte von Silber und sein trauriges Ende mehr komisch als tragisch, grell aufgetragen, unmotivirt. Auch 3. „Das Kinderfest" ist matt, langweilig, obgleich wir die biedere Absicht.des Verfassers nicht verkennen. IH. „Der Schebuoth-Kranz (Siwan) bietet einen schönen Stoff zu einer interessanten Erzählung, aber die Ausführung ist nicht ganz gelungen; es liegt Alles flach vor Augen, keine Spannung, keine frappante Lösung. Das Ganze sieht mehr einem Berichte als einem poetischen Kunstwerk ähnlich. — Trotz der gerügten Mangel erkennen wir jedoch das Nütz-