Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 1 (Januar 1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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Allgemeine theologische Bibliographie. 31 muß der Doge sein" — auch das Judenthum dazu; mögen Andere durch leidenschaftslose'Belehrüng sich eines Bessern überzeugen oder nicht, das Hebräische aufdie Schule beschranken, fürden einzelnen s. g. Laien eine größere oder geringere Kenntniß des Hebräischen verlangen: .eine hebräische Zeitschrift ist keine Synagoge und keine Schule," sie hat das große jüdische (deutsche oder nichtdeutsche) Publicum vor Augen, welches einmal so viel Hebräisch versteht, um zu lesen und sich vervollkommnen zu wollen. Daß dieses Publicum sich bei den veränderten Lebensverhältniffen — abgesehen von allen politischen und religiösen Gründen — vermindern muß, ist ein für diese Sache bedauernswerther Umstand. Daß dieses Publicum nicht allzu klein werde, ist eine Aufgabe für den Rabbiner, Pädagogen und Schriftsteller überhaupt; die hebräische Zeitschrift als solche muß auf ihre Weife dazu beitragen, hat abe^r hauptsächlich das einmal gegebene Publicum zu beachten, und sich nach diesem in der Auswahl ihrer Arbeiten und Arbeiter zu richten, und dieß besteht in unfern Tagen aus s. g. Gelehrten von Profession, Rabbinern, Lehrern, Candidaten u. dgl. und aus Männern, welche die hebräische Lectüre zum Vergnügen oder aus Pietät wählen. In welcher Beziehung stehen sie zu Inhalt und Form dieser Lectüre? — Als im vorigen Jahrhundert die erste hebräische Zeitschrift erschien, da hatte man auch großentheils die Absicht, Cultur und Wissenschaft, mitunter Elementarkenntnisse, im Gewände der hebräischen Sprache gewissermaßen einzuschmuggeln. Hierin scheint mir der wesentlich veränderte Standpunkt unsrer Zeit zu liegen. An solche Starrheit wendet sich factisch keine hebräische Zeitschrift mehr *). Es ist gegenwärtig G. s. D. so weit gekommen, daß man Rechnen, Naturgeschichte und Geschichte nicht mehr um der jüdischen Lettern willen betreibt; und wo es etwa in Polen und Rußland noch geschieht, da ist ein einzelner abgerissener Artikel keineswegs das geeignete Mittel, sondern muß für systematische Werke gesorgt werden, wie es vr. Barasch vorgeschlagen. — Das Publicum der hebräischen Zeitschrift belehre man also nur in specielljüdischen Gegenständen — worüber wir unter 2. sprechen —, hingegen soll der Geschmack ausgebildet und das Interesse gesteigert werden durch die stilistische Seite, d. h. die Form der Aufsätze, und dazu sind gerade Aufsätze wissenschaftlichen Inhalts weniger geeignet als rein belletristische, poetische u. dgl. Aber auch hier sehen wir noch immer das Einzwängen widerstrebender, fremdartiger Stoffe auf Unkosten der Form, Sprachwendungen, die auch Nichtpuristen refutiren, Übersetzungen, die jener vergangenen *) Wenn Herr Busch (Nr. 5. S. 5) durch die hebräischen Lettern der deutschen Aufsätze dieselben in Häuser zu bringen denkt, „wo noch die Orthodoxie eines finstern Jahrhunderts herrscht, welche die weltlichen (?) Wissenschaften mit jüdischer Frömmigkeit unvereinbar glaubt", — so irrt er sich sehr und hätte am wenigsten das Geheimniß ausplaudern dürfen!