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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1846-01-01 · 1 (Januar 1846) · p. Seite 23

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1846)
Issue
1 (Januar 1846)
Date
1846-01-01
Page
Seite 23 (sequence 22)
Language
German
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Zur Geschichte jüdischer Zustände Ln der pyrerräischen Halbinsel rc. 23 gerade in dem engen, so zu sagen, verwandtschaftlichen Zusammenhänge des Christenthums mit dem Judenthume der Grund dazu lag, daß ersteres, sowie es zur Macht gelangt war, seine schärfsten Waffen gegen letzteres wendete, wie der Nationalhaß zwischen zwei benachbarten, zum Theil stammgenössischen Völkern oft gerade am glühendsten und unvertilgbarsten ist. Dem orthodoren Christenthume mußte auch das Bestehen schon deö Judenthums zur vollen Bewahrheitung seiner Idee ein Hinderniß sein, wie ja bekanntlich die misstonärischen Aushängeschilder die „Bekehrung Israels" als den Schlußstein des messianischen Werkes bezeichnen. Dem Islam aber ist Bekehrungssucht ziemlich fremd geblieben; er gab sich nie — und das war vielleicht ein großes Glück für die Juden — für die „Religion der Liebe", und konnte daher weniger in Versuchung kommen, mittelst eines Uebermaßes dieser „Liebe" mit Feder und Schwert die Seligkeit aufzudringen. .Es fehlte ihm ferner an so vielen Substraten zu Judenverfolgungen, wie sie dem Christenthume, besonders dem orthodoren mittelalterlichen angehönen; es fehlte ihm an einer allmächtigen Priesterkaste mit ihrem Gefolge von Hostienraub, Mirakelbildxrn, Processionen, Osterblut, Talmudverbrennungen u. s. w. Man sieht daher die ersten Nachfolger Muhamed's eine Toleranz gegen Andersglaubende üben, an der sich manche protestantische Fürsten Europa's und nianche deutsche Kammer noch jetzt ein Erempel nehmen können. Daß auch von Seiten des Islam Religionsverfolgungen stattfanden, ist nicht zu leugnen; aber die Zahl und die Ausdehnung derselben ist in gar kein Verhaltniß zu denen zu bringen, die die Juden in Europa zu dulden hatten. Die vom Islam ausgeübten Gewaltthatigkeiten trafen auch weniger den Juden als solchen denn als Nichtmoslem, also auch den Christen, wodurch ein großer Theil der demoralistrenden Schmach besonderer Abzeichen und Abgaben wegfiel. Endlich — und das ist besonders für die neuere Zeit und die Gegenwart bemerkenslverth — steht der Druck, den der Islam gegen die Judeir übt, nicht in so grellem Widerspruch mit der Bildung seiner Bekenner, wie ein solcher Widerspruch z.B.noch jetzt in den christlichen Ländern, wo der Jude geknechtet wird, hervortritt, und hat sich vielleicht eben deßwegen dort nie ein so durchgeführtes System der Bedrückung ausbilden können, wie bei uns. — Wir sind, indem wir diese Ideen aussprechen, weit entfernt davon, zu verkennen, wie viele dieser Unbilden das Rechtsgefühl der Fürsten und Völker bis jetzt von uns genommen, weit entfernt davon, die Gegenwart für die trüben Erzeugnisse der Vergangenheit verantwortlich machen zu wollen; aber selbst die vollständigste Gewährung alles dessen, was uns noch vorenthalten ist, kann nicht das Recht an eine unbefangene Auffassung der jüdischen

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