Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 1 (Januar 1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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20 Zur Geschichte jüdischer Zustände in der pyrenLischen Halbinsel re. nehmen ist, schwieriger zwar zu verfolgen, aber lohnender als Ausbeute, nothwendiger zur richtigen Erkenntniß der Vergangenheit, belehrender für die Gegenwart. Schwieriger zu verfolgen ist diese Partie, weil sie als eben in dem Leben des Volkes selbst involvirt, als mit dessen tiefsten Bewußtsein verknüpft, zwar, in allen Denkmalen seiner Thätigkeit sichtbar wird, aber dem Volke selbst zu wenig objectiv gegenüber stand, als daß man sich veranlaßt gesehen, besondere Nachrichten darüber zu hinterlaffen, wiedieß doch mit der äußern Geschichte der Fall war; dem eigentlichen Historiker ist — wie überall — mehr vorgearbeitet worden als dem Alterthumsforscher, wenn auch freilich Archäologie nur ein Theil der Historie im weiteren Sinne ist. Sie ist aber auch lohnender in Ausbeute, diese Erforschung der innern Zustände der Juden, weil sie, wie schon angedeutet, uns den Juden eben nur als Juden zeigt, in seiner eigenthümlichen Entwickelung, in einer Sphäre des geistigen und socialen Lebens, die mehr vor den rauhen Stürmen einer feindlichen Außenwelt geschützt war, wenn sie sich auch ihr nicht ganz entziehen konnte. Nothwendiger zur richtigen Erkenntniß und belehrender für die Gegenwart; denn nicht mit Unrecht stellt die Gegenwart an die Geschichte der Vergangenheit die Forderung, daß sie zu einer höhern Erkenntniß ihrer selbst geführt, daß sie in dem Streben nach Vervollkommnung durch sie gefördert, daß nie der Faden, der Vergangenheit und Gegenwart zusammenhält, außer Acht gelassen werde; oder vielmehr in der richtigen Erkenntniß der Vergangenheit, in dem rechten Studium der Geschichte liegt diese Beförderung, diese Belehrung von selbst. Es möchte überflüssig scheinen, das erst noch zu bemerken, wenn nicht gerade auf jüdischem Gebiete hierüber so oft Mißverständnisse zu berichtigen, verkehrte Ansichten in's Gleiche zu bringen wären. Dem offen ausgesprochenen Widerwillen gegen die Kenntnißnahme der Vergangenheit liegt nicht nur das Bewußtsein zu Grunde, daß die Gegenwart der Vergangenheit so Manches schuldig sei, was sie ihr abtragen müsse, wenn sie sich eine Zukunft schaffen wolle — ein solches Bewußtsein läßt man nicht recht aufkommen und befriedigt es durch schöne Worte'—, sondern auch das Wissen davon, daß Erscheinungen, die sich, heute als neu, originell, einzig unserer Zeit angehörig ausgeben möchten, bei näherer Besichtigung nur als Wiederholung, als ein matterer oder stärkerer Abdruck früherer Zustände sich darstellen; daß man von diesem Gesichtspunkte aus Vielen die Vergänglichkeit und das ephemere Leben schon ansteht, und nicht bloß aus ihrem eigenen Organismus deduciren, sondern mit Beispielen aus der Vergangenheit bewahrheiten kann. Der Masse, die für den Augenblick lebt, ist freilich ein Jedes neu und anstaunenswerth, was ste seit gestern nicht gesehen, und „un-