Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 1 (Januar 1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Geschichte jüdischer Zustände tu der pyrenäischen Halbinsel ,c. 19 mit Behagen ruhen möchte; begegnet den noch trüberen Folgen, welche der Einfluß solchen Geschicks auf den verfolgten Stamm üben mußte. Je einförmiger nun der Verlauf dieser jüdischen Geschichte ist, und je mehr er sich selbst in den sehr verschiedenen Ländern undPerioden immer von Neuem wiederholt, je weniger hierin eigentlich Entwickelungsstadien der Juden selbst, sondern mehr die größere oder geringere Humanität der Machthaber zu suchen ist, desto näher tritt die Forderung an uns heran, diejenigen Seiten der jüdischen Geschichte, welche von dem Einflüsse äußeren Dranges weniger stark berührt wurden, an das Licht zu stellen. Daß sie, diese literarischen und religiösen u. s. W. Zustände von diesem Einflüsse berührt wurden, ist natürlich und nothwendig; weniger aber, als man nach einem Vergleich mit andern Völkern, die so schweres Joch zu tragen hatten, erwarten sollte. So wenig, wie die schwersten Bedrückungen und Verfolgungen an der Nebung der religiösen Vorschriften hindern konnten, so wenig wurde auch das Studium der religiösen Quellen, selbst eine Religionsvorschrift unterlassen *), und man steht es den Arbeiten Raschi's und seiner Jünger nicht an, daß sie in der schweren Zeit der Kreuzzüge, und gerade in den Gegenden, wo die „gottgeweiheten Kämpfer" ihre Gräul verübten, geschrieben wurden; der Austreibung der Juden aus Spanien folgte in allen Ländern, wohin sich die AuSgeiricbenen begaben, unter diesen selbst, obgleich sie in fremden unbekannten Ländern oft dem größten Mangel preisgegeben waren, eine erstaunlich große literarische Thätigkeit, von der nur ein kleiner Theil dem Druck übergeben ist; jaAbravanel**) macht selbst das freimüthige Geständniß, daß er den größten Theil feiner Werke nicht während er an den königlichen Höfen beschäftigt gewesen, sondern auf seinem unstäten Umhcrziehen, in Armuth und Dürftigkeit verfaßt. Und wie mit den literarischen, so mit den inner» Zuständen der Juden überhaupt, von denen die literarischen doch nur ein Zweig sind, und es ist so ein zweites, inneres Leben, das in der Geschichte des Juden wahrzu- *) Die innere Geschichte des Judcnthums gliedert sich nach Institutionen und Literaturwerken, nach dem Auftreten oder Erlöschen gewisser, das Ganze umfassender Formen viel natürlicher und wahrer ab als nach den folgereichsten polittschen Begebenheiten. Wahrend jene den geistigen Umschwung, die Triebkraft des religiösen Gedankens, seine Rück- und Fortschritte, oder den Mangel lebenskräftiger Produktivität und Energie ansdrücken, gleiten diese entweder spurlos ab an dem nach innen gewandten und von dem Weltverkehr abgezogenen Sinne, oder berühren schmerzlich die äußere Eristenz, aber auch nur diese, während der einmal eingeschlagene Weg unverwandt eingehalten wird. (Sachs: dir religiös« Poesie der Juden in Spanien, S. 167.) **) In seinem Antwortschreiben an Saul Ha-C»hen. 2*