Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 1 (Januar 1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Tie Nablu'ner-Versamrnlurig, wie sie sein sollte k. 15 mit den Ansprüchen der Zeit; mit andern Worten: man wünscht die Umgestaltung des individuellen Judenthums zu einem universellen; das Judenthum soll sich nach seiner ihm innewohnenden Natur als Weltreligion bewahren und die hohe Beachtung der Mitmenschen verdienen. Diese Regung, die Leben in manche erstarrte Form bringt, die allerdings das Judenthum einer hohem Stellung und derLbsung seinerMission naher bringt, muß sorgfältig benutzt werden, um in der That jene nothwendigen Erfordernisse, die die Zeit an dewGlauben stellt, zu befriedigen. Es kann natürlich nicht, was sich als wesentlich bewährt, in Frage gestellt werden, weil dieses mit in den Kreis der neuen Auffassung getragen werden soll. Auf der andern Seite hat man sich zwar factisch von den Verpflichtungen des JudenthumS emancipirt, aber die Macht des Glaubens durch verjährte, aber noch nicht erloschene Erinnerungen erregt noch innere Sehnsucht nach dem Ganzen, nach dem Geiste des alten Glaubens. Man wollte nur das Einzelne, über das der Leichtsinn oder eine moderne Auffassung hinweggetragen, aufgeben, aber nicht ganz die väterliche Ueberzeugnng verlassen. Man hatte sich einzelner Belästigungen entschlagen wollen, glaubte aber nicht das ganze Religionsgebäude in sich zertrümmert zu haben. Nun aber in ernsten Stunden das Gemüth mit Entsetzen die Zerstörung des Heiligsten i sich wahrnimmt, wendet es sich wieder mit erneucter Liebe dem Juden thume zu, und will aus demselben für sich retten, was zu retten ist. Diese Stimmung ist das andere, was die Rabbiner-Versammlung zu berücksichtigen hat; sie bekundet das religiöse, erwachende neue Leben, und schafft den Ernst. Es müßten darum neue Institute geschaffen, Einrichtungen getroffen werden, um diesen Geist zu beleben, zu stärken und zu erhalten, die Lebensformen des JudenthumS auch in ihrer äußerlichen Erscheinung zu Kraft zu bringen. Das Religiöse muß hie' gefördert, wie in der andern Richtung das Ethische hervorgehoben wer den; hier soll die objektive Gewalt der positiven Satzungen gekrästigt, und mit den herrschenden Ideen in Verbindung gesetzt werden; dort de, innere Geist gehoben und belebt werden, um die äußeren Formen zu durchdringen; denn der innere Gehalt und die äußere Form bilden erst zusammen das Ganze unseres Glaubens. Das Fehlende zu ergänzen, bildet die Aufgabe der Versammlung, und die Gesinnung, die vorzugsweise dahin gerichtet ist, sich dasselbe zu geben, vor Allem zu stärken und zu beleben, ist ihre Pflicht. Eine Rabbiner-Versammlung hätte demnach zu ihrer Aufgabe, nach den verschiedenen Seiten der jüdischen Glaubensansichten verschieden einzuwirken. (Fortsetzung folgt.)