Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 1 (Januar 1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2744856-2744883-2744885--0950-2745913- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
14 Die Nabbincr-Versummlung, wie sie sein sollte k. Menge ist in ihren Ansichten nie extrem, oder so entschieden theoretisch selbstständig. Wir haben schon oben das Bedürfniß nach Reform und die Motive zu einer Rabbiner-Versammlung vorzugsweise bei denjenigen vorgefunden, die einer bestimmten Richtung angehörcn, den Tadel ihrer Gegner aber insoweit berechtigt Hallen, daß sie nach einer Abstellung der Mißbräuche sich sehnen, und Uebelstände beseitigt wissen wollen In ihnen ist die Gesinnung nicht abgeschlossen und selbstständig; sie sind es, die dem Extreme nicht huldigen, und aus die Bildung deren Gesinnung sich die Thätigkcit einer Rabbiner-Versammlung erstrecken muß. Auf die Bildung deren Gesinnung, nicht deren That. Die That hat ohne die Gesinnung keinen Werth; sie ist nur das Mittel zur Verwirklichung und zur Fcsthaltung der Meinung, ist also ohne diese nichts, als ein lebloses Werk. Auch haben die Rabbiner nicht die Machtvollkommenheit, zu binden und zu lösen, daß sie aussprechen könnten, und man verpflichtet sei, es einzuhalten, oder einer Pflicht entbunden sei. Die Handlungsweise und die That ist nur der Ausdruck unserer religiösen Ueberzeugung; auf sie muß der Lehrer durch überzeugende Worte, durch ein mustervolles Leben einwirken, um eine Handlungsweise und solche religiöse Gebräuche zu erzielen, die einen edlen Ausdruck, eine angemessene Bezeichnung der innern Gesinnung bilden. Gerade auf die Menge, wo die Ansichten nicht das Gepräge der Entschiedenheit an sich tragen, wo auch die Negation und Angriff und Tadel der Gegner neben der innern Ueberzeugung Platz gewonnen, war ein Leiter, eine Erkräftigung des bessern Bewußtseins und der bessern Gesinnung möglich und leicht zu erzielen. Mittel hätten beschafft werdei müssen, vorweg gerade diese zu ermöglichen, und aus ihr hätten sich Veränderungen dann von selbst ergeben, die sicher Einfluß auf die Gestaltung der religiösen Ueberzeugung gewonnen hatten. Es durfte hierbei natürlich nicht vergessen werden, daß, wie die Motive der Versammlung und die Mißstände der Judenheit zweierlei Art sind, so auch die Wege der Restituirung und die Mittel zur Hebung der Uebelstände zweierlei Art sein müssen, und daß man bei jeder Vornahme sich genau bewußt werde und sich klar mache, gegen welche Mißstände sie gerichtet sei. Die Aufgabe einer Rabbiner-Versammlung ist überhaupt doppelter Natur. Auf der einen Seite hält man fest an den bestehenden Satzungen des factischen Judenthums, fühlt aber auch das Bedürfniß einer Umgestaltung des Unwesentlichen und eine Abstellung des durch geschichtliche Ereignisse herbeigeführten Mißbrauches einzelner Verordnungen, wünscht eine Durchdringung und Belebung der Form von der Idee, und sehnt sich nach einer Vereinigung des jüdischenLebens