Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1846-01-01 · 1 (Januar 1846) · p. Seite 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1846)
Issue
1 (Januar 1846)
Date
1846-01-01
Page
Seite 11 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2744856-2744883-2744885--0947-2745910
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

u Die Rabbiner-Versammlung, wie sie sein sollte rc. wohl um den Bruch zu heilen, um wieder Einheit und Frieden herzustellen; die eine Partei sollte für andere Ansichten gewonnen werden, und dem zu Liebe gestand die andere, manche ihrer Gebrechen mit ablegcn zu wollen. Daher hielt man nicht für sich, sondern für die Gesammtheit eine Umgestaltung mancher Zustände für nöthig. Ja selbst die eigene Selbstverbesserung, die doch hauptsächlich in diesen Reformen gesucht und erstrebt wird, hat, wie gezeigt, ihren Ursprung nur in der Gesinnung und der Ansicht der entgegengesetzten Partei, die später erst zu der eigenen gemacht ivurde. Für sich und aus selbsteigenen Motiven konnte keine Partei im Judenthüme die Rabbiner-Versammlung für so dringend nöthig halten. In der That konnten auch' die äußersten Ertreme gar nicht, oder nur mit großer Mühe, für ihre Bestrebungen gewonnen werden. Die starre Rechtgläubigkeit, wenn ein solcher Name den jüdischen Stabilen überhaupt eigen sein kann, die streng an dem Buchstaben des Gesetzes festhielten, denen jeder Gebrauch heilig ist, konnten eine Reform kaum begreifen; wie kann sich der sterbliche Mensch erkühnen, an dem ewigen Gottesbau zu rütteln? Ist denn da nicht Alles von Gott selbst angeordnet, und hat nicht Jedes da seine tiefe, unergründliche Bedeutung? Wie kann da von einer Veränderung die Rede sein? Sie hatten darum gar keinen Sinn für Begriffe von „zeitgemäß" und „ansprechend." Da muß Alles so sein, weil Alles so ist, und weil es so ist, ist es schön und vollkommen. Für sie ist eine Versammlung für Reform-Vorschläge ein Unding; sie kennen nur den einen Wunsch, die Abgefallenen wieder mit sich vereint zu sehen. ■ - Eben so wenig konnte die äußerste Linke ein natürliches Interesse an solchen Versammlungen nehmen, wofern sie nicht ihren Standpunkt vcrleugneten. Dieser Seite ist das Judenthum ganz entfremdet, man sehnt sich, vielleicht nach dem Tone der Zeit, der das religiöse Element vorherrschend machen will, nach einer Religion, die natürlich die Nächstliegende, die väterliche sein soll, die aber mit dem bestehenden Judenthum nichts weiter als den Namen gemein habe.. Es sind hier Ideen im Schwange, die mit andren der Zeit innig verwandt sind, und die, das Wort sei offen gesagt, denen der Freunde des Lichts ganz entsprechen. Die Schrift ist hier weiter nichts, als die Verwirklichung zeitlicher Gottesideen; Moses nichts weiter, als der begeistert heilige Lehrer, der die Ansichten seiner Zeit mit geläutertem Lichtsinne lehrte. Der göttliche Geist im Menschen war die Quelle der göttlichen Offenbarung, und ist das Mittel der Läuterung und Reinigung derselben; er selbst ist der Selbstschöpfer und die Selbstbestimmung des Gottsbewußtseins und der Sittlichkeit. Hier ist von gesetzlicher Verpflichtung nicht mehr die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.