Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1846)
- Issue
- 1 (Januar 1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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6 Die Rabbiner-Versammlung, wie sie sein sollte »e. hat nie seine Kraft auf die Zahl gesetzt, daß ängstlich seine Angehörigen auf den Abfall blicken sollten, die viele der Bruder ihm von der Seite raubt. Hat der wüthende Haß, der verderbend das Schwert über Unserm Haupte geschwungen, viele der Treuen zwar gemordet, doch aber Israels Volk nicht vernichten können, so wird auch, die Verführung, die wie eine Schlange dahin schleicht, mit giftigem Hauch manches frische Leben wohl erstarren machen, aber die Kraft unseres Glaubens nicht lähmen. So lange die Wahrheit noch unter den Menschen sich behaupten, so lange der Gott der Heiligkeit ans Erden thronen wird, und sein Reich ist ja diese Welt, so lange wird Juda's heiliger Glaube treue Anhänger finden. Es kann nicht untergehen, das Wort, das einmal ausgesprochen und verstanden worden ist; hin geht cs von Geschlecht zu Geschlecht, und leer kehrt es nicht zurück. Das Judcnthum wird nicht aufhören, trotz der verleumderischen und lügenhaften Reden seiner falschen Freunde, cs wird bestehen ewiglich; ihm droht keine Gefahr: und zurück weist es jeden Versuch, der vorgenommen wird, um Verderben von seinem Haupte abzuwenden. Sowie aber das Judenthum, als Gesammtheit, in keiner Art unserer Hülfe bedarf, so sehr bedürfen viele seiner Anhänger deS Beistandes, um auf der einen Seite den Glauben, dies heilige Erbgut unserer Väter, zu verschönern, auf der andern es zu befestigen. Wir wollen offen die wunden Stellen in unserer Gegenwart berühren, so schmerzlich es uns auch durchzittert. Der Druck vergangener Zeiten hat manchen religiösen Formen ein unschönes Gepräge aufgedrückt, aus Mangel an eindringlicher Belehrung, durch eine sinnlose Ausübung, die theils durch die Macht der Gewohnheit, theils durch falsche Auffassung der wahren Bedeutung jüdischer Religionsgebräuche zu einer gewissen Werkheiligkeit sich ausbildete, wich das frische Leben und die höhere vergeistigende Kraft aus den religiösen Uebnngen, und die Macht der Zeit hat ihnen vollends eine schiefe Bedeutung gegeben und sie unbeliebt gemacht. Die Zeit nämlich drängt offenbar einem höher» Communismus entgegen, in dem jede Besonderheit, jede Schranke und jedes Eigenthümliche fallen, und die Menschen sich als Menschen wieder verbinden sollen; es tragen aber allerdings viele der jüdischen Ceremonien den Anschein einer absondernden Selbstständigkeit an sich. Das Judenthum durchdauerte die Zeit des Mittelalters, in welcher die Individualität nur durch eine Corporirung sich behaupten konnte, und mußte seiner Erhaltung wegen sich ebenfalls zu einem korporativen Charakter gestalten; und in einer lautlosen Bewegung, weil sie unbewußt dem Geiste der Zeit folgte, umstalteten sich viele jüdische Religionssatzungen, so sehr sie auch durch die Zerstörung des Reiches sich aller besondern staats-