Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 12 (Dezember 1845)
- Date
- 1845-12-01
- Page
- Seite 485 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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Allgemeine theologische Bibliographie. 485 Der Verfolgungsgeist erlosch noch nicht mit dem 15. Jahrhundert, sondern erstreckte sich noch weit hinein in die aufgeklärteren Zeiten des siebzehnten und achtzehnten; und das sogar auch unter einem Herrscher von der ausgebreiteten Kenntniß Friedrichs des Großen, dessen Unduldsamkeit sich nicht mit blindem Glaubenseifer entschuldigen konnte i). Wie sehr die Verbannung der Juden dem Sinne der aufgeklärtesten Zeitgenossen entsprach, kann man aus den Lobeserhebungen abnehmen, womit die Urheber derselben von mehr als einer Seite überhäuft wurden. Spanische Schriftsteller, ohne Ausnahme, preisen sie als ein erhabenes Opfer aller weltlichen Vortheile für religiöse Grundsätze. In gleicher Weise loben die bestunterrichteten Ausländer den Beschluß — wiewohl sie die Einzelnheiten der Ausführung verdammen oder die Leiden der Juden beklagen —■ als den lebendigsten und ehrenwerthesten Eifer für den wahren Glauben bekundend *). Es ist nicht zu leugnen, daß Spanien damals die meisten Völker der Christenheit an religiöser Begeisterung, oder, richtiger gesagt, an blindem Glaubenseifer übertraf. Ohne Zweifel muß man dieses den langen Kriegen mit den zurückhalten. Den durch diese Maßregel verursachten Jammer kann man sich vorstellen. Viele von den unglücklichen Eltern ermordeten ihre Kinder, um den Befehl zu vereiteln, und Viele legten Hand an sich selbst. Faria y Sousa bemerkt kalt, „daß es ein großer Jrrthum von König Emanuel war, zu glauben, daß es ihm gelingen werde, irgend einen Juden zum Christenthume zu bekehren, der alt genug war, den Namen Moses auszusprechen." Er nimmt das Alter von drei Jahren als das höchste dafür an (Europa portuguesa If, 496). Turner hat mit seinem bekannten Fleiße die wichtigsten Zeitereignisse in Bezug auf die neuere Geschichte der Jüden in eine Anmerkung zusammengedrangt, die im zweiten Bande seiner Geschichte von England stehet, 114—120. (Der würdige Pfarrer von Los Palacios äußert den menschenfreundlichen Wunsch, „daß das ganze verfluchte Geschlecht der Juden, männlich und weiblich, von zwanzig Jahren und darüber, möchte durch Feuer und Flammen gereinigt werden." Re^es eatolie. c.-44. Also doch etwas gütiger als der portugiesische Autor; und war er doch sogar.sso miloe, eine bedeutende Anzahl durch Wasser zu reinigen! Vergl. Llorente a. a. O. S. 262. F.) . , q) Auch aus Wien wurden sie 1669 vertrieben. Die engherzige und wirklich höchst grausame Gesetzgebung Frievrich's 11. in Bezug auf seine jüdischen Unterthanen versetzt uns in die finstersten Zeiten des westgothischen Reiches zurück. Der Leser findet eine Uebersicht von diesen Verfügungen im dritten Bande von Milman's gutgeschriebener Elstorf ok the Jews. (Der Ueb ersetz er bemerkt hierzu, daß er das angeführte Werk von Milman zu Rathe gezogen und Nichts darin gefunden, was zu der scharfen Bemerkung des Verfassers berechtigen könnte; und kann doch in der That Friedrich des Fanatismus und des aus ihm hervorgehenden Religionszwanges nicht angeklagt werden. F.) r) Der hochgebildete und liebenswürdige Florentiner Pico di Miranvola bemerkt in seiner Abhandlung über die Sterndeuterei, „daß die Leiden der Inden, woran die gö ttli che Gerechtigkeit ein Ergötzen hatte, so groß waren, daß sie uns Christen mit Mitleid erfüllte." Der genuesische Geschichtschreiber Senarega gibt in der That zu, daß die Maßregel einen leichten Anstrich von Grausamkeit hatte. „Res haec jprimo conspectu laudabilis visa est, quia decus nostrae religionis respiceret, sed aliquantuium in se crudelitatis continere, 8i 608 non belluas, sed homines a Deo creatos consideramus“ („diese Sache schien beim ersten Anblick lobenswerth, da sie auf die Verherrlichung unserer Religion hinzielte, doch schien sie etwas von Grausamkeit in sich zu enthalten, wenn wir sie (die Juden) nicht als Thiere, sondern als Menschen, von Gott erschaffen, betrachten"). De rebus Gcnuensibus, bei Muratori Rerum ital. script. XXIV. — lllescas Histor. pontif. bei Paramo de orig. Inquisit. 367.