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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1845-12-01 · 12 (Dezember 1845) · p. Seite 484

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1845)
Issue
12 (Dezember 1845)
Date
1845-12-01
Page
Seite 484 (sequence 38)
Language
German
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484 Allgemeine geologische Bibliographie. Beschuldigung dieser Art hastet uuf Castilien. Der Punkt in der Verordnung, der eine solche Absicht verrathen könnte, nämlich das Verbot der Ausfuhr von Gold und Silber, setzte nur ein Gesetz in Kraft, das wahrend der gegenwärtigen Regierung schon zweimal von den Cortes beschlossen worden war und für so wichtig gehalten wurde, daß man Todesstrafe auf das Vergehen setzte °). Wir brauchen den Grnnd zu einem solchen Verfahren in diesem Falle nicht weiter als in dem Geiste des blinden Glaubens zu suchen, der eine ähnliche Vertreibung der Juden aus England, Frankreich und andern Theilen Europa's veranlaßt, so wie aus Portugal, unter besonders empörenden Umstanden, einige Jahre später ^). o) Einmal zu Toledo, 1480, und zu Murcia, 1488. S. Recop. de los leyes lib. 6. tit. 18,. ley. 1. (Wie wenig dies? Gesetze, die auch in neueren Staaten zuweilen erlassen werden für diesen Fall, beweisen, braucht kaum erwähnt zu werden; hier gestalteten sie sich in eine Beraubung um: man zwang die Juden, auszuwandern und sie mußten ihr Gold und Silier zurücklaffen. Es erscheint also auch die gepriesene menschliche Gesinnung Jsabella's in einem andern Lichte. Doch findet diese Königin in ihrer von Priestern irregeleiteten Frömmigkeit Entschuldignng. Nicht so Ferdinand. Er war zu schlau und zu berechnend, um fanatisch zu sein; auch wird ihm von keinem Schriftsteller Fanatismus zum Borwurf gemacht. Aber wohl war in ihm jeder Funke von Menschlichkeit und höherer Gesinnung erloschen, und unterjochte er seiner Hab - und Hrrrschgier jede edlere Regung. Cs haben protestantische Geschichtschreiber Philipp II., der durch seinen Kampf gegen Protestantismus und Geistesfreiheit ihre Aufmerksamkeit auf sich gezogen, als Schreckbild und Warnung für alle Zeiten hingesteltt; doch dürfte in ihm noch mancher edlere Zug als in Ferdinand zu finden sein. Ferdinand gestattete nicht nur die Einführung der Inquisition, sondern nahm sie so entschieden Ln Schutz, daß, als mehrere Klagen über ihr Verfahren in Rom einliefen, er an den Papst schrieb, „er möge nicht auf sie merken, da ohne diese Maßregel (die Inquisition) die Ketzer in Spanien so mächtig und zahlreich werden würden, wie ehemals die Arianer" (Llorente I, 343). Bei der Einnahme von Malaga ließ er zwölf Juden, die daselbst gefunden wurden, mit stachligen Ruthen zu Tode peitschen, und andere dieser Unglücklichen verbrennen (Llorente S. 263). Wie sehr Ferdinand die Religion am Herzen lag, gehet am beßten aus seiner Gleichgültigkeit bei dem Proceffe des durch seine Frömmigkeit fast allgemein heilig gehaltenen Erzbischofs Talavera hervor (Llorente S. 342); und Guicciardini, der in seiner, Istorla Yf, lib. 12. p. 273. Ferdinand gegen manchen Vorwurf in Schutz nimmt, sagt nichtsdestoweniger, „daß er alle seine Vortheile unter der Farbe eines ernsten Eifers für die Religion und heiligen Strebens für das allgemeine Beste verbarg" (vergl. Prescott 2. Thl. '24. Hauptstück, Anmerk. 52. 54). Und wem ist nicht seine Undankbarkeit gegen Eolumbus und selbst gegen seinen, ihm kn vieler Hinsicht nicht unähnlichen Feldherrn Gonsalvo bekannt? Sehr bezeichnend für ihn ist', daß, als Jemand ihm mittheilte, Ludwig XII. beschuldige ihn, er habe ihn dreimal betrogen, Ferdinand ausgerusen haben soll: „Der Trunkenbold! ich habe ihn mehr wie zehnmal betrogen!"— Forscht man genau die Lebensgeschichte Ferdinands durch, so erstreckt sich sein Ruhm darauf, er war ein Staatsmann seiner Zeit, d. i. ein schlauer treuloser Politiker, dem das Wohl seiner eigenen Nnterthanen weniger am Herzen lag, als die Vergrößerung seiner persönlichen Macht und die Forderung seiner selbstsüchtigen Plane. In diesem Nrtheile stimmt auch Prescott, der diesem andern Helden seiner Geschichte gegen manche Vorwürfe zu vertheidigen sucht, überein. „Er (Ferdinand) war der Geist der Selbstsucht. Wie groß oder klein auch der Kreis seiner Zwecke sein mochte, er selbst war doch stets der unveränderliche Mittelpunkt" (2. Thl. S. 553). Die Austreibung der Juden bot ihm Gelegenheit, seinen Schatz zu füllen, und für die Ausführung anderer Pläne vorzubereiten; und ist von Seiten Ferdinands unstreitig Habgier, wie es auch Llorente behauptet, (vgl. weiter Anmerk, s), als Motiv der Austreibung der Juden anzusehen. F.) p) Die portugiesische Regierung ließ alle Kinder von 14 Jahren und darunter, als zu einer christlichen Erziehung geeignet, ihren Eltern wegnehmen und im Lande

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