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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1845-12-01 · 12 (Dezember 1845) · p. Seite 481

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1845)
Issue
12 (Dezember 1845)
Date
1845-12-01
Page
Seite 481 (sequence 35)
Language
German
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Allgemeine theologische Bibliographie. 481 ihnen. Viele erlagen der Kälte, Andere quälendem Durste, während die eine Seereise hegleitenden ungewohnten Leiden ihre Krankheiten verschlimmerten. Ueber die Grausamkeit und Habgier, denen sie von den Eigenthümern der Schiffe ausgesetzt waren, worauf sie aus Spanien sortgeschafft wurden, will ich mich gar nicht weitläufig auslaffen*). Einige wurden zur Befriedigung ihrer Habgier ermordet, Andere gezwungen, ihre Kinder zu verkaufen, um die Kosten der Ueberfahrt zu bezahlen. Sie kamen haufenweise in Genua an, durften daselbst aber nicht lange verweilen, da ein altes Gesetz dem jüdischen Reisenden keinen längeren Aufenthalt als drei Tage gestattet. Jedoch wurde ihnen erlaubt, ihre Schiffe auszübessern und sich einige Tage von den Beschwerden der Reise zu erholen. Man hätte sie für Gespenster halten können, so abgemagert waren sie, so leichenhaft sahen sie aus, und mit ihren eingefallenen Augen waren sie von Tobten nur dadurch zu unterscheiden, daß sie sich bewegten: und selbst dieses konnten sie kaum mehr. Viele sanken in Ohnmacht und starben auf dem Hafendamm, der bon der See rings umgeben der einzige den elenden Auswanderern verstattete Aufenthaltsort war. Die durch einen solchen Schwarm vonTodten und Sterbenden verpestete Luft wurde nicht sogleich bemerkt; doch als der Winter zu Ende ging, zeigten sich Geschwüre, und dieKrankheit,dieschon langem derStadt lauerte, brach das nächste Jahr in Pest aus^). Viele von den Verbannten schifften nach der Türkei und nach verschiedenen Theilen der Levante über, wo ihre Nachkommen noch lange ins folgende Jahrhundert hinein fortfuhren, die eastilianische Sprache zu reden. Andere nahmen ihren Weg nach Frankreich und selbst nach England. In einer Synagoge von London oder auch in mehreren wird ein Theil ihrer Gebete noch bis auf den heutigen Tag in spanischer Sprache hergesagt**); und der jetzige Jude blickt noch mit günstigem Vorurtheil (?) auf Spanien zurück, als das gelobte Land seiner Vater, an deren ereignisreiche Geschichte sich die ruhmvollsten Erinnerungen für ihn knüpfen^). Die Gesammtzahl der von Ferdinand und Jsabella aus Spanien vertriebenen Juden wird verschieden angegeben, von 160,000 bis 800,000 Seelen: eine Abweichung, die hinreichend den Mangel an zuverlässigen Angaben zeigt. *) Vergl. Manches bei Verga. F. -j) Senerega bei Muratori Kerum ital. scriptores XXIV, 531. 532. (Verga erzählt, daß, viele Einwohner Genua's mit einem Kreuze in der einen und Brod in der andern Hand, umhergegangen seien, und zu den Juden gesagt hatten, wenn sie jenes anbeteten, so bekamen sie dieses (Brod): wodurch sich viele Menschen, die den Hunger nicht langer ertragen konnten, zur Taufe verleiten ließen. F. **) Etwas ungenau und muß heißen: wird der spanische Ritus (der bekanntlich von dem der deutschen Juden abweicht) beibehalten. F. k) Siehe einen verständigen Bericht über hebräische Literatur in Spanien in der Retrospective review III, 209. Mariana Hist. de Espaila II. lib. 26. cap. 1. Zurita Anales V, 9. Nicht' wenige von den gelehrten Vertriebenen gelangten in den europäischen Landern, wo sie ihren Wohnsitz aufschlugen, zn bedeutendem Ansehen. Castro führt einen an als größten ausübenden Arzt in Genua, einen andern, der die Stelle eines Sternforschers und Zeitgeschichtschreibers unter König Emanuel von Portugal bekleidete. Viele von ihnen haben Werke in verschiedenen wissenschaftlichen Fachern geschrieben, die in's Spanische und - andere europäische Sprachen übersetzt worden find. Biblioteca espanolal, 359—372. Franke!, Zeitschrift II. - Ztz

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