Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 12 (Dezember 1845)
- Date
- 1845-12-01
- Page
- Seite 480 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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480 Allgemeine theologische Bibliographie. - steten, notzüchtigten, und diejenigen kaltblütig niedermetzelten, welche sich widersetzten*). Doch ohne diese Einzelnheiten weiter fortzusetzen, muffen wir nur noch hinzufögen, daß die elenden Vertriebenen so große Hungersnoth litten, daß sie froh waren, sich noch vom Grase nähren zu können, das im Lande der Wüste dürftig wuchs**), bis zuletzt Viele von ihnen von Beschwerden erschöpft und gebrochenen Herzens nach Ercillo umkehrten und sich der Taufe unterwarfen, in der Hoffnung, daß man ihnen erlauben werde, in ihr Geburtsland zurückzukehren. Die Anzahl derselben war so groß, daß der das heilige Amt verrichtende Priester genöthigt war, sich des Fegewisches oder Nsops zu bedienen, womit die römisch-katholischen Heidenbekehrer die heiligen Tropfen aüszusprengen pflegten, deren geheime Kraft die Seele in einem Augenblicke von den gröbsten Flecken des Unglaubens reinigen konnte. .,So wurdet sagt ein castrlianischer Geschichtsschreiber, „den Trüb säten dieser armen unglücklichen Geschöpfe durch ein vortreffliches Heilmittel ein Ende gemacht, deffen Gott sich bediente, ihnen die Augen zu öffnen, womit sie nun sahen, wie eitel die Versprechungen der Rabbiner gewesen , so daß sie ihrer alten Ketzerei entsagend zu treuen Anhängern des Kreuzes wurden *)." Viele von den Ausgewanderten nahmen ihren Weg nach Italien. Die, welche in Neapel landeten, brachten eine ansteckende Krankheit mit, die sie. durch langer Einsperrung in kleinen, mit Menschen, überhäuften und schlecht versorgten Schiffen bekommen hatten***). Die Krankheit war so bösartig und griff mit so reißender Schnelligkeit um sich, daß sie im Laufe eines Jahres mehr als 20,000 Einwohner der Stadt dahinraffte, von wo sie ibre Verwüstung über die ganze italiänische Halbinsel verbreitete. Ein genuesischer Geschichtsschreiber, der Augenzeuge von den Auftritten gewesen, die er schildert, entwirft folgendergestalt ein anschauliches Bild von, diesen Gräueln. „Niemand," sagt er, „konnte die Leiden der perbannten Juden ohne Rührung sehen. Sehr Viele starben Hungers, besonders die von zarterm Alter. Mütter, die kaum Kraft genug hatten, sich selbst aufrecht zu erhalten, trugen ihre verhungerten Kinder auf den Armen und starben mit *) Salomon Verga erzählt Lebedet Jehuda 44b eine grausenerregende That eines Arabers, der ein Mädchen in Gegenwart seiner Eltern schändete und es hierauf erstach. Wir übergehen andere derartige herzbrechende Erzählungen und heben als Gegensatz zu dem, weiter Anmerk. j. folgenden Berichte aus Genua, die menschenfreundliche Handlung des Herrschers von Fetz hervor, der auf die Mittheilung, daß einer der Auswanderer sein Kind aus Hunger verkauft hatte, es ihm zurückzugeben befahl, und alle Zudenkinder, die auf diese Weise verkauft wurden, ihren Eltern wieder zustellen ließ. F. **) Vergl. die traurige Schilderung bei Berga und nach ihm Jost, 7. Thl. S. 86. 87. . F. i) Ferraras I. 1. VIII, 133. Lernaldes I. I. c. 113. — (Verga, der derartige Uebertritte nie verschweigt, weiß nichts von dieser Bekehrung; erwähnt auch nichts von der Rückkehr nach Erciüa. F.) ***) Verga erzählt diesen Umstand anders. Auf dem Schiffe selbst war. eine Pest ausgebrochen und der Schiffshauptmann setzte die unglücklichen Juden, die sich auf dem Schiffe befanden, auf einen unwirthbaren Felsen aus. F.